Dekubitus erkennen, vorbeugen und behandeln — Ratgeber für Angehörige

Als pflegender Angehöriger haben Sie eine der wichtigsten Aufgaben: die Haut Ihres Familienmitglieds zu schützen. Dekubitus — im Volksmund auch Wundliegen oder Druckgeschwür genannt — gehört zu den häufigsten Komplikationen in der häuslichen Pflege. Die gute Nachricht: Mit dem richtigen Wissen lässt sich ein Dekubitus in den allermeisten Fällen vermeiden.

In diesem Ratgeber erklären wir Ihnen verständlich, wie Dekubitus entsteht, woran Sie die verschiedenen Stadien erkennen und welche Maßnahmen wirklich helfen — praktisch und alltagstauglich.

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Was ist ein Dekubitus?

Ein Dekubitus ist eine Schädigung der Haut und des darunterliegenden Gewebes, die durch anhaltenden Druck entsteht. Wenn jemand lange in derselben Position liegt oder sitzt, werden die kleinen Blutgefäße in der Haut zusammengedrückt. Das Gewebe bekommt zu wenig Sauerstoff und Nährstoffe — und stirbt im schlimmsten Fall ab.

Einfach erklärt: Stellen Sie sich vor, Sie drücken mit dem Finger fest auf Ihren Unterarm. Die Stelle wird weiß, weil kein Blut mehr durchfließt. Lassen Sie los, wird sie sofort wieder rot. Bei einem bettlägerigen Menschen lastet das gesamte Körpergewicht dauerhaft auf bestimmten Stellen — mit viel mehr Druck und über viel längere Zeit.

Wo entsteht Dekubitus am häufigsten?

Überall dort, wo Knochen nah unter der Haut liegen und der Körper aufliegt:

  • Kreuzbein / Steißbein — häufigste Stelle (ca. 40% aller Fälle)
  • Fersen — besonders bei Rückenlage
  • Hüftknochen — bei Seitenlage
  • Schulterblätter — bei Rückenlage
  • Ohren — durch Kopfkissen-Druck
  • Ellenbogen, Knöchel — an Auflagepunkten

Die 4 Stadien — so erkennen Sie den Schweregrad

Dekubitus wird in vier Stadien eingeteilt. Je früher Sie eine Druckstelle erkennen, desto besser die Heilungschancen.

Aktuelle Klassifikation: EPUAP/NPIAP/PPPIA 2019, Update 2024 Die international gültige Klassifikation stammt vom European Pressure Ulcer Advisory Panel (EPUAP) gemeinsam mit dem National Pressure Injury Advisory Panel (NPIAP) und der Pan Pacific Pressure Injury Alliance (PPPIA). Die aktuelle Leitlinien-Fassung wurde 2019 veröffentlicht und 2024 in Teilbereichen aktualisiert — insbesondere zur Erkennung sogenannter Deep Tissue Pressure Injuries (DTPI) bei dunkler Hautpigmentierung und zur Abgrenzung gegenüber feuchtigkeitsbedingten Hautläsionen (MASD). In der deutschen Pflegepraxis ist diese Klassifikation Grundlage des Expertenstandards Dekubitusprophylaxe in der Pflege des Deutschen Netzwerks für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP, 2. Aktualisierung 2017, Teilrevision in Vorbereitung).
Der Fingertest — so prüfen Sie eine verdächtige Stelle: Drücken Sie mit dem Finger auf die gerötete Hautstelle. Wird sie kurz weiß und färbt sich dann wieder rot? Dann ist es eine normale Druckrötung. Bleibt die Rötung bestehen (wird nicht weiß)? Dann liegt wahrscheinlich bereits ein Dekubitus Stadium 1 vor.

Stadium 1 — Nicht wegdrückbare Rötung

Die Haut ist gerötet, aber noch intakt (nicht offen). Die Rötung verschwindet nicht, wenn Sie darauf drücken. Die Stelle kann wärmer sein als die umgebende Haut, schmerzen oder jucken.

Jetzt handeln! Stadium 1 ist vollständig umkehrbar. Sofort den Druck von der Stelle nehmen und die Maßnahmen unter "Vorbeugen" konsequent umsetzen.

Stadium 2 — Offene Hautstelle

Die obere Hautschicht ist beschädigt. Sie sehen eine offene, flache Wunde — ähnlich einer Schürfwunde oder Blase. Die Wunde ist feucht und rötlich, aber noch relativ oberflächlich.

Stadium 3 — Tiefe Wunde

Die Schädigung reicht jetzt durch die gesamte Haut bis ins Unterhautfettgewebe. Sie sehen einen tiefen Krater. Knochen, Sehnen und Muskeln sind noch nicht sichtbar, aber die Wunde kann unterhöhlt sein (größer unter der Hautoberfläche als an der Öffnung).

Stadium 4 — Schädigung bis zum Knochen

Das schwerste Stadium: Die Zerstörung reicht bis auf Knochen, Sehnen oder Muskeln. Die Wunde ist tief und oft stark infiziert. Eine Behandlung ist nur noch durch medizinisches Fachpersonal möglich.

Ab Stadium 2 unbedingt zum Arzt! Offene Dekubituswunden brauchen professionelle Wundversorgung. Ihr Hausarzt kann einen spezialisierten Wundmanager oder Pflegedienst einschalten. Die Kosten übernimmt die Krankenkasse.

Ausführliche Erklärung mit Bildern: Dekubitus-Stadien erkennen — Leitfaden für Angehörige

Ursachen und Risikofaktoren

Dekubitus entsteht nie aus einem einzelnen Grund. Es ist immer ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren:

Hauptursache: Druck + Zeit

Je höher der Druck und je länger er wirkt, desto größer das Risiko. Schon 2 Stunden in derselben Position können ausreichen, um einen Dekubitus auszulösen — bei gefährdeten Personen sogar weniger.

Risikofaktoren die Sie kennen sollten

Risikofaktor Warum gefährlich
Immobilität Wer sich nicht selbst bewegen kann, verlagert den Druck nicht
Inkontinenz Feuchtigkeit weicht die Haut auf und macht sie verletzlicher
Mangelernährung Zu wenig Eiweiß und Vitamine schwächen die Hautregeneration
Diabetes Gestörte Durchblutung und Wundheilung
Hohes Alter Dünnere Haut, weniger Unterhautfettgewebe
Durchblutungsstörungen Gewebe wird schlechter versorgt
Starkes Schwitzen Feuchtigkeit + Reibung beschädigen die Haut

Risikoassessment: Welche Skala zeigt das individuelle Risiko?

Eine systematische Risikoeinschätzung ist die Grundlage jeder seriösen Dekubitusprophylaxe. In der Pflegepraxis haben sich drei Skalen etabliert — sie unterscheiden sich in Genauigkeit, Aufwand und Anwendungsbereich.

Skala Kriterien Punktzahl Risiko-Schwelle Eignung
Braden-Skala 6 Faktoren: Sensorische Wahrnehmung, Feuchtigkeit, Aktivität, Mobilität, Ernährung, Reibung/Scherung 6–23 (niedrig = höheres Risiko) ≤ 18 erhöhtes Risiko International am häufigsten validiert; Standard in Akut- und Langzeitpflege
Norton-Skala 5 Faktoren: Körperlicher Zustand, geistiger Zustand, Aktivität, Beweglichkeit, Inkontinenz 5–20 (niedrig = höheres Risiko) ≤ 14 erhöhtes Risiko Schnell anwendbar, deutscher Pflegealltag; kürzer als Braden
Waterlow-Skala 10+ Faktoren inkl. BMI, Hauttyp, Geschlecht, Alter, neurologische Defizite, Medikation 0–64 (hoch = höheres Risiko) ≥ 10 erhöhtes Risiko Detailliertester Score, längere Bearbeitungszeit; UK-Standard
Praxis-Empfehlung für Angehörige Im häuslichen Umfeld ist die Braden-Skala die beste Wahl: ausreichend differenziert, mit klaren Kategorien und gut dokumentiert. Die Norton-Skala ist eine schnelle Alternative bei wenig Zeit. Die Waterlow-Skala lohnt sich primär in Kliniken oder bei sehr komplexen Fällen mit mehreren Begleiterkrankungen. Wer die Risikoeinschätzung an einen Pflegedienst abgibt, sollte nachfragen, welche Skala dort verwendet wird — die Wiederholungsmessung in derselben Skala ist wichtiger als die Wahl der Skala selbst.

Wichtig: Die Skalen ersetzen nicht die klinische Einschätzung. Sie sind strukturierte Hilfen, keine Ersatzdiagnostik. Der Expertenstandard des DNQP (2017) empfiehlt die kombinierte Anwendung einer Skala mit der individuellen pflegerischen Einschätzung — Skala plus „pflegerisches Gespür" geben die belastbarste Risikobewertung.

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Dekubitus vorbeugen — 8 praktische Maßnahmen

Die beste Behandlung ist die Vorbeugung. Als pflegender Angehöriger können Sie mit diesen Maßnahmen das Dekubitus-Risiko drastisch senken:

1. Regelmäßig umlagern (Lagerungswechsel)

Die wichtigste Maßnahme überhaupt. Alle 2 Stunden die Position wechseln — auch nachts. Nutzen Sie verschiedene Positionen: Rückenlage, 30°-Seitenlage links, 30°-Seitenlage rechts.

Lagerungstechniken: Schritt-für-Schritt-Anleitung für Angehörige

Praxistipp: Stellen Sie sich einen Timer alle 2 Stunden. Dokumentieren Sie die Lagerungswechsel mit Uhrzeit und Position — so verlieren Sie nicht den Überblick. → Vorlage für Wunddokumentation

2. Haut täglich kontrollieren

Schauen Sie sich die gefährdeten Stellen jeden Tag genau an — am besten bei der Körperpflege. Achten Sie auf Rötungen, Verhärtungen und Temperaturunterschiede. Nutzen Sie den Fingertest.

3. Für trockene, saubere Haut sorgen

Feuchtigkeit ist der Feind der Haut. Bei Inkontinenz sofort wechseln und die Haut sanft reinigen. Verwenden Sie hautschützende Pflegeprodukte (Hautschutzcremes mit Zinkoxid).

4. Richtig lagern — Druck verteilen

Verwenden Sie Lagerungskissen, um den Druck zu verteilen. Fersen können mit einem Kissen unter den Waden frei gelagert werden ("Fersen frei lagern"). Vermeiden Sie Falten im Bettlaken — sie erzeugen zusätzlichen Druck.

5. Dekubitus-Matratze verwenden

Spezielle Matratzen verteilen den Druck gleichmäßiger. Wechseldruckmatratzen (bei höherem Risiko) pumpen abwechselnd Luft in verschiedene Kammern. Die Krankenkasse zahlt diese auf Rezept!

Dekubitus-Matratzen im Vergleich

6. Auf gute Ernährung achten

Die Haut braucht Nährstoffe zur Regeneration. Besonders wichtig: ausreichend Eiweiß (Milchprodukte, Eier, Fleisch, Hülsenfrüchte), Vitamin C (Obst, Gemüse), Zink und genug Flüssigkeit (mindestens 1,5 Liter täglich).

Dekubitus und Ernährung: Was wirklich hilft

7. Bewegung fördern

Jede noch so kleine Eigenbewegung hilft. Motivieren Sie Ihren Angehörigen, sich — soweit möglich — selbst im Bett zu bewegen. Auch passive Bewegungsübungen (Sie bewegen die Gliedmaßen) fördern die Durchblutung.

8. Die richtigen Pflegehilfsmittel nutzen

Einmalhandschuhe, Desinfektionsmittel und Bettschutzeinlagen gehören zur Grundausstattung. Diese stehen Ihnen kostenlos zu — bis zu 42 € monatlich von der Pflegekasse.

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Ausführlicher Artikel: Dekubitus vorbeugen — 10 Tipps

Behandlung: Was Sie als Angehörige tun können

Stadium 1: Selbst behandelbar

  • Druck sofort und komplett von der betroffenen Stelle nehmen
  • Nicht auf die gerötete Stelle massieren (das schädigt das Gewebe weiter!)
  • Stelle trocken und sauber halten
  • Weiche Lagerungshilfen verwenden
  • Umlagern konsequent alle 2 Stunden
  • Beobachten: Bessert sich die Rötung innerhalb von 2 Stunden nach Druckentlastung nicht → Arzt informieren

Ab Stadium 2: Professionelle Wundversorgung

Offene Dekubituswunden müssen von Fachpersonal versorgt werden. Ihr Hausarzt kann verordnen:

  • Wundmanagement durch einen spezialisierten Pflegedienst
  • Moderne Wundauflagen (Schaumverbände, Hydrokolloid-Pflaster, Alginate)
  • Ggf. chirurgisches Débridement (Entfernung von abgestorbenem Gewebe)

Dekubitus-Pflaster und Wundauflagen im Vergleich

Wichtig: Verwenden Sie bei offenen Dekubituswunden keine Hausmittel wie Puder, Föhnen oder Eisbeutel. Diese Methoden sind veraltet und können die Wunde verschlimmern.

Moderne Wundauflagen — Indikations-Übersicht

Die Wahl der Wundauflage hängt von Stadium, Wundzustand (trocken, nässend, infiziert), Wundgrund (sauber, belegt, nekrotisch) und Wundtiefe ab. Die folgende Übersicht orientiert sich am aktuellen Konsens der EPUAP-Leitlinie und dem DNQP-Expertenstandard:

Wundauflage Indikation (Wundzustand) Eignung Stadium Wechselintervall Hinweis
Hydrokolloid-Verband (z.B. Comfeel, DuoDERM) Trockene bis schwach nässende, saubere Wunden ohne Infektion 1–2 (oberflächlich) 3–7 Tage Bildet feuchtes Wundklima; löst sich beim Sättigen vom Wundsekret selbst
Schaumstoffverband (z.B. Mepilex, Allevyn) Mäßig bis stark nässende Wunden, auch unter Druck (Lagerung) 2–3 2–5 Tage Polstert zusätzlich; gibt es mit/ohne Klebrand; Mepilex Border etabliert
Alginat-Verband (z.B. Sorbalgon, Kaltostat) Stark nässende Wunden, ggf. mit oberflächlichen Belägen 2–4 1–3 Tage Hochabsorbierend; stillt kapilläre Blutungen; nur in tiefe Wunden, nicht ohne Sekretbildung
Hydrogel (z.B. NU-GEL, IntraSite Gel) Trockene Wunden mit Nekrosen oder Belägen — autolytisches Débridement 2–4 (mit Nekrose) 1–3 Tage Spendet Feuchtigkeit; löst trockene Nekrosen; benötigt Sekundärverband
Aktivkohle-Auflagen (z.B. Actisorb, CarboFlex) Übelriechende, infizierte Wunden mit hoher Keimbelastung 3–4 (infiziert) 1–3 Tage Bindet Geruchsmoleküle und Bakterien; oft mit Silber-Kombination
Silberhaltige Auflagen (z.B. Aquacel Ag, Acticoat) Klinisch infizierte oder kritisch kolonisierte Wunden 2–4 (infiziert) 1–3 Tage Antimikrobiell; nur zeitlich begrenzt anwenden (max. 2 Wochen am Stück)
Folienverband (z.B. OpSite, Tegaderm) Stadium 1 zur Hautprotektion; Sekundärverband; Reibungsschutz 1 (präventiv) 3–7 Tage Transparent (Wundbeobachtung möglich); semipermeabel; kein Eigenschutz vor Druck
NPWT (Negative Pressure Wound Therapy / Vakuumtherapie) Tiefe, schlecht heilende Wunden; nach chirurgischem Débridement 3–4 2–3 Tage Nur durch Wundmanager/Chirurgie; Krankenkassen-Genehmigung; nicht für daheim
Bitte nicht selbst verordnen Die Auswahl der Wundauflage gehört in die Hände eines Wundmanagers, Hausarztes oder spezialisierten Pflegedienstes. Die obige Tabelle dient der Information für Angehörige, damit Sie eine ärztliche Verordnung verstehen und plausibilisieren können — nicht als Anleitung für die Eigenversorgung tiefer Wunden.

Hilfsmittel gegen Dekubitus

Verschiedene Hilfsmittel können das Dekubitus-Risiko senken. Viele davon werden von der Krankenkasse bezahlt:

Hilfsmittel Funktion Kostenübernahme
Weichlagerungsmatratze Verteilt Druck gleichmäßig Auf Rezept (geringes Risiko)
Wechseldruckmatratze Wechselt automatisch Druckpunkte Auf Rezept (mittleres/hohes Risiko)
Lagerungskissen Unterstützt 30°-Seitenlage Auf Rezept
Sitzkissen (Rollstuhl) Druckentlastung beim Sitzen Auf Rezept
Fersenschoner Schützt Fersen vor Aufliegen Auf Rezept
Pflegehilfsmittel zum Verbrauch Handschuhe, Desinfektion, Bettschutz 42 €/Monat pauschal

Alle Pflegehilfsmittel im Überblick

Wann zum Arzt?

Sofort zum Arzt bei:
  • Offener Wunde (ab Stadium 2)
  • Rötung, die nach 2 Stunden Druckentlastung nicht verschwindet
  • Eiter, Geruch oder Verfärbung der Wunde
  • Fieber in Verbindung mit einer Druckstelle
  • Schnelle Verschlechterung einer bestehenden Druckstelle

Ihr Hausarzt ist der erste Ansprechpartner. Bei komplizierten Wunden kann er Sie an eine Wundambulanz oder einen Wundmanager überweisen.

Häufige Fragen zu Dekubitus

Wie schnell entsteht ein Dekubitus?

Bei gefährdeten Personen kann ein Dekubitus bereits nach 2 Stunden in derselben Position entstehen. Bei sehr dünner Haut, Mangelernährung oder Durchblutungsstörungen sogar schneller. Deshalb ist regelmäßiges Umlagern so wichtig.

Ist ein Dekubitus heilbar?

Ja, Dekubitus ist grundsätzlich heilbar. Stadium 1 heilt meist innerhalb weniger Tage, wenn der Druck konsequent entlastet wird. Stadium 2 braucht Wochen, Stadium 3-4 kann Monate dauern und erfordert professionelle Wundversorgung. Je früher erkannt, desto besser die Heilungschancen.

Zahlt die Krankenkasse die Dekubitus-Behandlung?

Ja. Die Krankenkasse übernimmt die Kosten für die ärztliche Behandlung, Wundauflagen auf Rezept, Hilfsmittel wie Anti-Dekubitus-Matratzen und die häusliche Krankenpflege durch einen Pflegedienst. Zusätzlich haben Personen mit Pflegegrad Anspruch auf kostenlose Pflegehilfsmittel (42 € pro Monat).

Darf man eine Dekubitus-Stelle massieren?

Nein! Früher wurde das empfohlen, gilt aber heute als falsch. Massage auf einer geröteten Druckstelle schädigt das bereits angegriffene Gewebe zusätzlich. Stattdessen: Druck entlasten, Haut sauber und trocken halten.

Wie oft muss man umlagern?

Die Standardempfehlung ist alle 2 Stunden, auch nachts. Bei Verwendung einer Anti-Dekubitus-Matratze kann das Intervall je nach Matratzentyp und individuellem Risiko ggf. verlängert werden — besprechen Sie das mit dem behandelnden Arzt oder Pflegedienst.

Dekubitus-Risiko einschätzen

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Quellen und Leitlinien

Diesem Ratgeber liegen folgende Leitlinien, Studien und Fachpublikationen zugrunde:

Internationale und nationale Leitlinien

  • European Pressure Ulcer Advisory Panel (EPUAP), National Pressure Injury Advisory Panel (NPIAP), Pan Pacific Pressure Injury Alliance (PPPIA): Prevention and Treatment of Pressure Ulcers/Injuries: Clinical Practice Guideline. 3. Auflage 2019, Teilrevision 2024 (insbesondere Klassifikation, Deep Tissue Pressure Injury, Hautpigmentierung). internationalguideline.com
  • Deutsches Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP): Expertenstandard Dekubitusprophylaxe in der Pflege. 2. Aktualisierung, Hochschule Osnabrück, 2017. ISBN: 978-3-00-009033-2. Teilrevision in Vorbereitung.
  • Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF): S3-Leitlinie Lokaltherapie chronischer Wunden bei Patienten mit den Risiken periphere arterielle Verschlusskrankheit, Diabetes mellitus, chronische venöse Insuffizienz. AWMF-Registernummer 091/001, Stand 2023.

Wissenschaftliche Studien (Auswahl)

  • Bergstrom N, Braden BJ, Laguzza A, Holman V: The Braden Scale for Predicting Pressure Sore Risk. Nurs Res 1987; 36(4):205-210. PMID: 3299278. (Erstpublikation und Validierungsstudie der Braden-Skala.)
  • Pancorbo-Hidalgo PL, García-Fernández FP, Lopez-Medina IM, Alvarez-Nieto C: Risk assessment scales for pressure ulcer prevention: a systematic review. J Adv Nurs 2006; 54(1):94-110. PMID: 16553695. (Systematischer Vergleich Braden/Norton/Waterlow.)
  • Moore ZE, Webster J: Dressings and topical agents for preventing pressure ulcers. Cochrane Database Syst Rev 2018; 12(12):CD009362. PMID: 30537080.
  • Westby MJ, Dumville JC, Soares MO, Stubbs N, Norman G: Dressings and topical agents for treating pressure ulcers. Cochrane Database Syst Rev 2017; 6(6):CD011947. PMID: 28639707.
  • Kottner J, Cuddigan J, Carville K, et al.: Prevention and treatment of pressure ulcers/injuries: The protocol for the second update of the international Clinical Practice Guideline 2019. J Tissue Viability 2019; 28(2):51-58. PMID: 30658878.

Weiterführende Fachorganisationen

Stand der Recherche: März 2026. Klinische Empfehlungen werden regelmäßig aktualisiert; bei klinischen Fragen sollte stets die aktuellste Leitlinie konsultiert werden.

Über diese Inhalte

Redaktion sign-med.de. Dieser Ratgeber wurde redaktionell auf Basis der oben aufgeführten Leitlinien (EPUAP/NPIAP/PPPIA 2019/2024, DNQP-Expertenstandard 2017) und systematischen Reviews erstellt. Ziel ist, Angehörige in der häuslichen Pflege verständlich und evidenzbasiert zu informieren.

Die Inhalte ersetzen keine ärztliche oder pflegerische Beratung im Einzelfall. Bei klinischen Fragen — insbesondere zur Wundversorgung ab Stadium 2 — wenden Sie sich an Ihren Hausarzt, einen spezialisierten Wundmanager (ICW-zertifiziert) oder einen ambulanten Pflegedienst. Bei akuten Notfällen kontaktieren Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst (116 117) oder den Rettungsdienst (112).

Letzte redaktionelle Überarbeitung: Mai 2026. Methodisches Vorgehen: Auswahl der Leitlinien nach Aktualität und Verbreitung in der deutschen Pflegepraxis; Studienauswahl nach Cochrane-Reviews und Hochrang-Publikationen mit PubMed-Indexierung. Hinweise zur Verbesserung an: kontakt@sign-med.de.

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Coryn Högberg, ICW-Wundexpertin
Medizinisch geprüfter Inhalt

Dieser Artikel wurde sorgfältig auf Basis aktueller medizinischer Leitlinien recherchiert und redaktionell geprüft. Alle Empfehlungen orientieren sich an den aktuellen Leitlinien des Expertenstandards "Dekubitusprophylaxe in der Pflege" (DNQP). Quellen: Expertenstandard Dekubitusprophylaxe (DNQP, 2. Aktualisierung), Leitlinie Diagnostik und Therapie des Dekubitus (AWMF). Mehr zur Autorin

Medizinischer Hinweis: Die Informationen auf dieser Seite ersetzen keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Alle Inhalte dienen ausschließlich der allgemeinen Information. Bei gesundheitlichen Beschwerden wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt. Bei Notfällen rufen Sie den Notruf (112) an.