Dekubitus-Stadien erkennen: Bildleitfaden für Laien

Als pflegender Angehöriger ist es eine Ihrer wichtigsten Aufgaben, Veränderungen an der Haut Ihres Familienmitglieds frühzeitig zu erkennen. Je früher Sie einen Dekubitus bemerken, desto besser sind die Heilungschancen — und desto weniger Leid entsteht. Doch viele Angehörige fühlen sich unsicher: Ist diese Rötung schon ein Dekubitus? Wie unterscheide ich die Stadien? Wann muss ich zum Arzt?

Dieser Leitfaden erklärt Ihnen Schritt für Schritt, wie Sie jedes der vier Dekubitus-Stadien sicher erkennen. Auch ohne medizinische Ausbildung. Wir beschreiben genau, worauf Sie achten müssen — mit eindeutigen Merkmalen und einer praktischen Vergleichstabelle.

Gut zu wissen: Die Einteilung in vier Stadien stammt vom European Pressure Ulcer Advisory Panel (EPUAP) und ist der internationale Standard. Ihr Arzt und Pflegedienst verwenden dieselbe Einteilung — so sprechen Sie die gleiche Sprache.
Dekubitus Stadien 1 bis 4 im Vergleich: Von Rötung bis freiliegendem Knochen
Übersicht: Die vier Dekubitus-Stadien im Vergleich

Warum die Stadien-Erkennung so wichtig ist

Dekubitus ist kein plötzliches Ereignis — er entwickelt sich über Stunden und Tage. Jedes Stadium hat andere Behandlungsanforderungen:

  • Stadium 1 können Sie als Angehöriger selbst behandeln — durch konsequente Druckentlastung
  • Ab Stadium 2 brauchen Sie professionelle Wundversorgung durch einen Arzt oder Pflegedienst
  • Stadium 3 und 4 erfordern spezialisierte Wundexperten und oft monatelange Behandlung

Das bedeutet: Wer Stadium 1 erkennt und sofort handelt, kann verhindern, dass sich ein harmloser Druckpunkt zu einer schweren, chronischen Wunde entwickelt. Die meisten Dekubitusfälle in der häuslichen Pflege werden erst in Stadium 2 oder später erkannt — weil Angehörige die Frühzeichen nicht kennen.

Der Fingertest — Ihre wichtigste Methode

Bevor wir die einzelnen Stadien durchgehen, lernen Sie die einfachste und wichtigste Methode zur Dekubitus-Früherkennung: den Fingertest (auch "Drucktest" oder "Glastest" genannt).

So funktioniert der Fingertest:
  1. Suchen Sie die gerötete Hautstelle an einer Knochenvorsprung-Region (Kreuzbein, Fersen, Hüfte).
  2. Drücken Sie mit der Fingerkuppe für 3 Sekunden fest auf die gerötete Stelle.
  3. Nehmen Sie den Finger weg und beobachten Sie sofort die Stelle.
  4. Ergebnis A: Die Stelle wird kurz weiß und färbt sich dann wieder rot → Normale Druckrötung, kein Dekubitus. Trotzdem: Druck reduzieren!
  5. Ergebnis B: Die Rötung bleibt bestehen, die Stelle wird nicht weiß → Verdacht auf Dekubitus Stadium 1!

Der Fingertest funktioniert, weil gesunde Haut auf Druck reagiert: Die Blutgefäße werden zusammengedrückt (weiß), und sobald der Druck nachlässt, fließt das Blut zurück (rot). Bei einem beginnenden Dekubitus sind die kleinsten Blutgefäße bereits geschädigt — das Blut staut sich und die Rötung bleibt bestehen.

Alternative: Der Glastest. Wenn Sie unsicher sind, können Sie statt des Fingers ein durchsichtiges Glas oder Trinkglas verwenden. Drücken Sie es auf die gerötete Stelle und schauen Sie hindurch. Verschwindet die Rötung unter dem Glas nicht, liegt wahrscheinlich ein Dekubitus Stadium 1 vor. Diese Methode ist besonders bei dunklerer Haut hilfreicher.

Stadium 1: Nicht wegdrückbare Rötung

Dekubitus Grad 1: Nicht wegdrückbare Hautrötung im Querschnitt
Grad 1: Die Haut ist intakt, zeigt aber eine nicht wegdrückbare Rötung

Worauf Sie achten müssen

Stadium 1 ist das früheste und am besten behandelbare Stadium. Die Haut ist noch vollständig intakt — es gibt keine offene Stelle, keine Blase, keinen Riss. Was Sie sehen, ist ausschließlich eine Veränderung der Hautfarbe und möglicherweise der Hautbeschaffenheit.

Typische Merkmale von Stadium 1:

  • Anhaltende Rötung: Die Stelle ist gleichmäßig gerötet. Bei hellem Hauttyp erscheint sie rötlich bis dunkelrot. Die Rötung verschwindet NICHT bei Fingerdruck (positiver Fingertest).
  • Temperaturunterschied: Die betroffene Stelle fühlt sich oft wärmer an als die umliegende Haut. Manchmal auch kälter — beides ist ein Warnsignal.
  • Verhärtung: Die Haut kann sich fester anfühlen als das umliegende Gewebe. Streichen Sie vorsichtig über die Stelle — spüren Sie einen Unterschied?
  • Schwellung: Leichte Schwellung im Bereich der Rötung ist möglich.
  • Schmerz oder Juckreiz: Der Patient berichtet möglicherweise über Schmerzen, Brennen oder Juckreiz an der Druckstelle — sofern er dies äußern kann.
Stadium 1 ist vollständig umkehrbar! Wenn Sie jetzt den Druck von der Stelle nehmen und konsequent umlagern, heilt die Rötung in der Regel innerhalb von 24 bis 72 Stunden vollständig ab. Die Haut regeneriert sich, ohne dass eine Narbe zurückbleibt.

Was Sie bei Stadium 1 sofort tun sollten

  • Druck sofort und komplett von der Stelle nehmen
  • Position des Patienten ändern
  • Stelle NICHT massieren (das schädigt das Gewebe weiter)
  • Stelle NICHT mit Cremes oder Salben behandeln
  • Beobachten: Bessert sich die Rötung nach 2 Stunden Entlastung nicht → Arzt informieren
  • Umlagerungsintervalle verkürzen (z. B. auf 1,5 Stunden statt 2)

Stadium 2: Teilverlust der Haut

Dekubitus Grad 2: Blase oder flacher Hautdefekt im Querschnitt
Grad 2: Teilweiser Hautverlust mit Blasenbildung oder flachem Defekt

Worauf Sie achten müssen

In Stadium 2 ist die Hautoberfläche sichtbar geschädigt. Die obere Hautschicht (Epidermis) und möglicherweise Teile der darunterliegenden Schicht (Dermis) sind betroffen. Was Sie sehen, ähnelt einer Schürfwunde oder einer aufgeriebenen Blase.

Typische Merkmale von Stadium 2:

  • Flache, offene Wunde: Die Wunde ist oberflächlich — wie eine Abschürfung. Der Wundgrund ist rötlich bis rosa und feucht glänzend. Sie sehen KEIN gelbes oder schwarzes Gewebe.
  • Blase: Manchmal zeigt sich Stadium 2 als intakte oder aufgeplatzte Blase, gefüllt mit klarer oder leicht blutiger Flüssigkeit. Die Blase sitzt auf gerötetem Untergrund.
  • Glänzende Oberfläche: Die Wundoberfläche sieht feucht und glänzend aus, da die schützende obere Hautschicht fehlt.
  • Klar abgrenzbar: Die Wunde hat einen erkennbaren Rand, an dem gesunde Haut in die geschädigte Stelle übergeht.
  • Schmerzhaft: Stadium 2 ist oft schmerzhaft, da Nervenendigungen freigelegt sind.
Ab Stadium 2: Immer zum Arzt! Offene Hautstellen müssen professionell versorgt werden. Ihr Hausarzt kann moderne Wundauflagen verordnen und bei Bedarf einen Wundmanager einschalten. Versuchen Sie nicht, offene Dekubituswunden mit Hausmitteln zu behandeln.

Häufige Verwechslungen bei Stadium 2

Nicht jede offene Hautstelle an einer Druckzone ist ein Dekubitus Stadium 2. Verwechslungsmöglichkeiten bestehen mit:

  • Inkontinenz-assoziierte Dermatitis (IAD): Hautschäden durch Urin oder Stuhl. Diese sind oft großflächiger und unregelmäßig geformt.
  • Pflasterreaktionen: Rötungen oder Blasen durch Klebeverbände.
  • Schürfwunden: Durch Reibung beim Umlagern — vermeidbar durch korrekte Lagerungstechnik.

Stadium 3: Verlust der Haut

Dekubitus Grad 3: Tiefes Geschwür bis ins Fettgewebe im Querschnitt
Grad 3: Vollständiger Hautverlust — subkutanes Fettgewebe sichtbar

Worauf Sie achten müssen

Stadium 3 ist eine tiefe Wunde, bei der die gesamte Haut zerstört ist. Die Schädigung reicht durch alle Hautschichten bis ins Unterhautfettgewebe. Knochen, Sehnen und Muskeln sind aber noch NICHT sichtbar.

Typische Merkmale von Stadium 3:

  • Tiefer Krater: Sie sehen eine Wunde mit erkennbarer Tiefe. Der Wundgrund liegt deutlich tiefer als die umgebende Hautoberfläche.
  • Gelbliches Gewebe möglich: Am Wundgrund kann sich gelbliches, feuchtes Gewebe befinden (sogenannte "Fibrinbeläge"). Das ist abgestorbenes Gewebe, das professionell entfernt werden muss.
  • Unterhöhlungen: Die Wunde kann unter der Hautoberfläche größer sein, als sie von außen aussieht. Man spricht von "Taschen" oder "Unterhöhlungen". Solche Taschen sind besonders tückisch, weil sie von außen kaum erkennbar sind.
  • Wundränder: Die Ränder der Wunde können aufgeworfen oder unterminiert sein.
  • Fettgewebe sichtbar: Im Wundgrund kann gelbliches Fettgewebe sichtbar sein — aber KEINE Knochen, Sehnen oder Muskeln.
Achtung: Die Tiefe von Stadium 3 variiert je nach Körperstelle. Am Nasenrücken oder Ohr, wo kaum Unterhautfett vorhanden ist, kann Stadium 3 schon bei geringer Tiefe vorliegen. Am Gesäß, wo mehr Fettgewebe vorhanden ist, können Stadium-3-Wunden erheblich tief sein.

Stadium 4: Vollständiger Gewebeverlust

Dekubitus Grad 4: Knochen und Sehnen freiliegend im Querschnitt
Grad 4: Vollständiger Gewebeverlust — Knochen und Sehnen freiliegend

Worauf Sie achten müssen

Stadium 4 ist das schwerste Stadium. Die Gewebezerstörung reicht über die Haut und das Fettgewebe hinaus bis auf Knochen, Sehnen, Gelenkkapseln oder Muskeln. Dies ist ein medizinischer Notfall.

Typische Merkmale von Stadium 4:

  • Knochen, Sehnen oder Muskeln sichtbar oder tastbar: Das ist das Hauptunterscheidungsmerkmal zu Stadium 3. Am Kreuzbein kann der Knochen sichtbar sein, an der Ferse die Achillessehne.
  • Schwarzes Gewebe (Nekrose): Abgestorbenes Gewebe kann sich als schwarze, ledrige Fläche zeigen, die den Wundgrund teilweise oder vollständig bedeckt.
  • Ausgeprägte Unterhöhlungen und Fisteln: Die Wunde kann weit unter die Hautoberfläche reichen und verborgene Taschen bilden.
  • Infektionszeichen: Eiter, unangenehmer Geruch, zunehmende Rötung um die Wunde herum, Fieber.
  • Großer Gewebeverlust: Die Wunde kann sehr großflächig und tief sein.
Stadium 4 ist ein medizinischer Notfall! Es besteht ein hohes Risiko für Blutvergiftung (Sepsis), Knochenentzündung (Osteomyelitis) und weitere lebensbedrohliche Komplikationen. Sofortige ärztliche Behandlung ist zwingend erforderlich. Rufen Sie umgehend den Hausarzt an oder fahren Sie in eine Notaufnahme.

Vergleichstabelle aller Stadien

Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Unterscheidungsmerkmale zusammen:

Merkmal Stadium 1 Stadium 2 Stadium 3 Stadium 4
Haut intakt? Ja Nein (oberflächlich offen) Nein (tiefe Wunde) Nein (tiefste Zerstörung)
Was Sie sehen Nicht wegdrückbare Rötung Flache Wunde oder Blase Tiefer Krater Knochen/Sehnen sichtbar
Fingertest Positiv (Rötung bleibt) Nicht anwendbar Nicht anwendbar Nicht anwendbar
Tiefe Keine Oberflächlich Bis ins Fettgewebe Bis auf Knochen
Schwarzes Gewebe? Nein Nein Möglich Häufig
Heilungsdauer Tage Wochen Wochen bis Monate Monate bis Jahre
Behandlung durch Angehörige + Beobachtung Arzt / Pflegedienst Wundexperte Wundexperte / Klinik
Umkehrbar? Vollständig Ja, mit Narbe Teilweise, mit Narbe Schwierig, oft OP nötig

Sonderfälle: Nicht klassifizierbar und Verdacht

Neben den vier Stadien gibt es zwei Sonderfälle, die Sie kennen sollten:

Nicht klassifizierbarer Dekubitus

Wenn der Wundgrund vollständig von schwarzem Gewebe (Nekrose) oder gelblichem Belag bedeckt ist, kann das tatsächliche Stadium nicht bestimmt werden. Erst wenn dieses Gewebe entfernt wurde (Aufgabe des Arztes), lässt sich beurteilen, ob Stadium 3 oder 4 vorliegt. Melden Sie solche Befunde immer sofort dem Arzt.

Vermutete tiefe Gewebeschädigung

Manchmal sehen Sie eine dunkelrote oder violette Verfärbung der intakten Haut — oder eine blutgefüllte Blase. Dies kann auf eine tiefe Gewebeschädigung hinweisen, die unter der noch intakten Hautoberfläche stattgefunden hat. Die Haut sieht von außen weniger schlimm aus, als die Schädigung darunter tatsächlich ist. Auch hier: sofort ärztlichen Rat einholen.

Wann müssen Sie handeln?

Die Antwort ist einfach: Sofort. Bei jedem Stadium. Aber die Art des Handelns unterscheidet sich:

Stadium 1 — Sie handeln selbst: Druck sofort entlasten, umlagern, Stelle beobachten. Wenn die Rötung nach 2 Stunden ohne Druck nicht verschwindet: Arzt informieren. Dokumentieren Sie die Stelle mit Datum, Größe und Aussehen.
Stadium 2 — Arzt einschalten: Offene Wunden brauchen professionelle Wundauflagen. Kontaktieren Sie Ihren Hausarzt oder den zuständigen Pflegedienst. Bis zum Arzttermin: sterile Abdeckung, Druck entlasten, Stelle sauber halten.
Stadium 3 und 4 — Sofort handeln: Rufen Sie umgehend den Arzt an. Bei Fieber, Eiter oder schneller Verschlechterung: Notaufnahme. Diese Stadien erfordern spezialisierte Wundversorgung und möglicherweise chirurgische Eingriffe.

Dekubitus bei dunkler Hautfarbe erkennen

Bei Menschen mit dunklerer Hautfarbe ist die Erkennung von Stadium 1 besonders herausfordernd, da die typische Rötung weniger sichtbar ist. Achten Sie auf diese alternativen Zeichen:

  • Verfärbung: Die Stelle erscheint violett, bläulich oder dunkler als die umgebende Haut.
  • Temperaturveränderung: Streichen Sie mit dem Handrücken über die gefährdeten Stellen. Eine Stelle, die deutlich wärmer (oder kälter) ist, kann auf einen beginnenden Dekubitus hinweisen.
  • Verhärtung oder Schwellung: Tasten Sie die gefährdeten Bereiche ab — Verhärtungen sind ein wichtiges Frühzeichen.
  • Schmerz: Fragen Sie Ihren Angehörigen gezielt, ob eine Stelle schmerzt, brennt oder juckt.
  • Glastest: Verwenden Sie den Glastest (durchsichtiges Glas auf die Stelle drücken), da er bei dunkler Haut zuverlässiger ist als der Fingertest allein.

Veränderungen richtig dokumentieren

Dokumentieren Sie jeden verdächtigen Befund. Das hilft dem Arzt bei der Beurteilung und Ihnen beim Beobachten des Verlaufs:

  • Datum und Uhrzeit der Entdeckung
  • Körperstelle genau beschreiben (z. B. "linke Ferse, Innenseite")
  • Größe — messen Sie mit einem Lineal (Länge x Breite in cm)
  • Aussehen — Farbe, ob offen oder geschlossen, Beläge, Geruch
  • Fingertest-Ergebnis
  • Foto — mit dem Handy, immer mit Maßstab (Lineal daneben)
  • Beschwerden des Patienten — Schmerz, Juckreiz
Tipp zur Fotodokumentation: Fotografieren Sie die Stelle bei gleichmäßigem Tageslicht, immer aus demselben Winkel und mit einem Lineal oder einer Münze als Größenreferenz daneben. So können Sie Veränderungen über Tage oder Wochen zuverlässig vergleichen.

Häufige Fragen zur Stadien-Erkennung

Kann ein Dekubitus Stadien überspringen?

Ja, leider ist das möglich. Ein Dekubitus muss sich nicht von Stadium 1 über 2 und 3 zu Stadium 4 entwickeln. Besonders bei tiefen Gewebeschädigungen kann die Haut von außen noch intakt erscheinen, während darunter bereits erhebliche Schäden bestehen. Deshalb ist auch eine violette oder bläuliche Verfärbung der intakten Haut ein ernstes Warnsignal.

Heilt ein Dekubitus in umgekehrter Reihenfolge — also von Stadium 4 zurück zu Stadium 1?

Nein. Die Heilung verläuft nicht in umgekehrter Stadien-Reihenfolge. Ein abheilender Dekubitus Stadium 4 wird nicht zu Stadium 3, dann 2, dann 1. Stattdessen füllt sich die Wunde mit neuem Gewebe (Granulationsgewebe), bis sie sich schließt. Man spricht dann von einem "abheilenden Dekubitus Stadium 4" — er wird nie zu Stadium 1 "heruntergestuft".

Wie oft sollte ich die Haut kontrollieren?

Mindestens einmal täglich sollten Sie alle gefährdeten Stellen visuell und durch Tasten kontrollieren — idealerweise bei der Körperpflege oder beim Umlagern. Bei erhöhtem Risiko (sehr dünne Haut, Diabetes, starke Immobilität) empfiehlt sich eine Kontrolle bei jedem Lagewechsel.

Mein Angehöriger hat eine Blase an der Ferse — ist das Stadium 2?

Eine Blase an einer typischen Druckstelle kann tatsächlich ein Dekubitus Stadium 2 sein — muss es aber nicht. Blasen können auch durch Reibung beim Umlagern, durch schlecht sitzende Schuhe oder durch Feuchtigkeit entstehen. Entscheidend ist, ob die Blase an einer Stelle mit Druckbelastung sitzt und ob sie auf gerötetem Untergrund steht. Im Zweifelsfall lassen Sie die Stelle ärztlich beurteilen.

Wie unterscheide ich Dekubitus von einer normalen Druckrötung?

Der Fingertest ist die zuverlässigste Methode. Eine normale Druckrötung (z. B. nach dem Aufstehen vom Stuhl) verblasst, wenn Sie darauf drücken — sie wird kurz weiß. Ein Dekubitus Stadium 1 verblasst NICHT. Zusätzlich verschwindet eine normale Druckrötung nach wenigen Minuten Entlastung, während eine Dekubitus-Rötung stundenlang bestehen bleibt.

Wie erkenne ich einen Dekubitus Kategorie 1 bei dunkler Hautfarbe?

Bei dunkler Hautfarbe ist eine Rötung oft nicht sichtbar. Achten Sie stattdessen auf: Wärmeunterschiede (betroffene Stelle fühlt sich wärmer an), Verhärtung des Gewebes (fühlt sich fester an als die Umgebung), Schwellung, Verfärbung (violetter oder bläulicher Schimmer), und Schmerzangabe des Betroffenen. Der Fingertest funktioniert bei dunkler Haut weniger zuverlässig — nutzen Sie alle Sinne: Sehen, Tasten und Fragen.

Was soll ich tun, wenn ich einen Dekubitus Kategorie 1 entdecke?

Sofort handeln: 1. Druckentlastung — die betroffene Stelle komplett freilagern (z. B. mit Kissen oder Schaumstoffkeil). 2. Haut nicht massieren oder rubbeln (das verschlimmert den Schaden). 3. Stelle regelmäßig beobachten — verschwindet die Rötung innerhalb von 30 Minuten Entlastung? 4. Umpositionierung alle 2 Stunden einhalten. 5. Hautpflege: Haut sauber und trocken halten, aber nicht austrocknen lassen. Wenn sich die Rötung innerhalb von 24 Stunden nicht zurückbildet, kontaktieren Sie den Pflegedienst oder Hausarzt.

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Coryn Högberg, ICW-Wundexpertin
Medizinisch geprüfter Inhalt

Dieser Artikel basiert auf den aktuellen Klassifikationskriterien des European Pressure Ulcer Advisory Panel (EPUAP/NPIAP) und dem Expertenstandard "Dekubitusprophylaxe in der Pflege" (DNQP, 2. Aktualisierung). Alle Informationen wurden mit Blick auf die Verständlichkeit für medizinische Laien aufbereitet. Quellen: EPUAP/NPIAP/PPPIA Pressure Ulcer Classification System, AWMF-Leitlinie Diagnostik und Therapie des Dekubitus, Expertenstandard Dekubitusprophylaxe (DNQP). Mehr zur Autorin

Medizinischer Hinweis: Die Informationen auf dieser Seite ersetzen keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Alle Inhalte dienen ausschließlich der allgemeinen Information. Bei gesundheitlichen Beschwerden wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt. Bei Notfällen rufen Sie den Notruf (112) an.