Der Dekubitus am Steißbein (Sakralbereich) ist die mit Abstand häufigste Druckstelle – beim Liegen auf dem Rücken und beim langen Sitzen. Hier erfahren Sie, wie Sie die Stadien erkennen, richtig behandeln und mit konsequenter Druckentlastung wirksam vorbeugen.
- Ursache: Knochen liegt direkt unter der Haut → hoher Druck beim Liegen/Sitzen
- Wichtigste Maßnahme: Druckentlastung (Umlagern, Matratze, Sitzkissen)
- Ab Grad 2 (offene Wunde): ärztlich/wundfachlich behandeln lassen
- Vorbeugen: alle ~2 h umlagern, Haut pflegen, Eiweiß & Flüssigkeit
Warum gerade das Steißbein?
Das Steißbein und das Kreuzbein (Sakralbereich) sind besonders gefährdet, weil der Knochen direkt unter der Haut liegt – mit kaum schützendem Fett- oder Muskelgewebe dazwischen. Beim Liegen auf dem Rücken und beim Sitzen lastet hier ein Großteil des Körpergewichts. Der Druck quetscht die feinen Blutgefäße ab, das Gewebe wird nicht mehr versorgt – und es entsteht eine Druckstelle. Weitere typische Risikostellen sind Fersen, Hüften und Schulterblätter.
Früh erkennen: der Fingertest
Eine beginnende Druckstelle am Steißbein zeigt sich zuerst als Rötung. Mit dem Fingertest prüfen Sie, ob es kritisch ist: Drücken Sie kurz auf die gerötete Stelle. Wird sie weiß und färbt sich nach dem Loslassen wieder rot, ist die Durchblutung intakt. Bleibt die Rötung bestehen (lässt sich nicht wegdrücken), liegt bereits ein Dekubitus Grad 1 vor – jetzt sofort konsequent druckentlasten. Kontrollieren Sie den Sakralbereich am besten bei jeder Körperpflege, besonders bei bettlägerigen oder rollstuhlpflichtigen Personen.
Die 4 Dekubitus-Grade
Die Schwere eines Dekubitus wird in vier Grade eingeteilt – von der nicht wegdrückbaren Rötung bis zum tiefen Gewebeschaden:
Eine ausführliche Beschreibung mit Bildern finden Sie unter Dekubitus-Stadien erkennen.
Behandlung nach Stadium
- Grad 1 (Rötung): sofort und konsequent druckentlasten. Stelle nicht massieren. Haut beobachten – bildet sich die Rötung nicht zurück, ärztlich abklären.
- Grad 2 (Blase/oberflächliche Wunde): feuchte Wundversorgung mit geeigneter Auflage; Druckentlastung fortsetzen. Ärztlich begleiten lassen.
- Grad 3–4 (tiefe Wunde): immer ärztliche/wundfachliche Behandlung; oft Wundreinigung (Débridement), spezielle Auflagen, ggf. Antibiotika.
Druckentlastung & Hilfsmittel
Ohne Druckentlastung heilt kein Dekubitus. Die wichtigsten Hilfsmittel:
- Antidekubitus-Sitzkissen (Gel, Luftkammer oder Schaum mit Steiß-Aussparung) – fürs Sitzen im Rollstuhl oder Sessel
- Wechseldruck- oder Weichlagerungsmatratze – fürs Liegen, siehe Matratzen-Empfehlung
- Regelmäßiges Umlagern nach Plan, siehe Lagerungstechniken
Druck am Steißbein gezielt entlasten
Antidekubitus-Sitzkissen und druckverteilende Matratzen verteilen das Gewicht und schützen den Sakralbereich.
Antidekubitus-Sitzkissen ansehen*Hinweis: Bei anerkanntem Pflegegrad können druckentlastende Hilfsmittel über die Pflege- oder Krankenkasse bezuschusst werden. Eine Antidekubitus-Matratze ist oft auf Rezept erhältlich – Alternativen bei Amazon*.
Hautschutz bei Inkontinenz
Gerade am Steißbein ist Feuchtigkeit durch Inkontinenz ein zentraler Risikofaktor: Sie weicht die Haut auf und macht sie anfälliger für Druckschäden (feuchtigkeitsbedingte Hautschädigung). So schützen Sie die Haut im Sakralbereich:
- Inkontinenzmaterial zeitnah wechseln, Haut sanft und pH-neutral reinigen
- Hautschutzcreme mit Zinkoxid oder Barriereprodukte auftragen
- Atmungsaktive Unterlagen statt luftdichter Folien verwenden
- Haut nach dem Waschen trocken tupfen, nicht reiben
Mehr dazu: Inkontinenz richtig versorgen.
Dekubitus am Steißbein vorbeugen
- Umlagern alle ca. 2 Stunden (im Sitzen häufiger Position wechseln)
- Druckverteilung mit Matratze und Sitzkissen
- Hautpflege & tägliche Hautkontrolle am Sakralbereich
- Feuchtigkeit vermeiden (Inkontinenz konsequent versorgen)
- Ernährung: ausreichend Eiweiß, Zink, Vitamin C und Flüssigkeit
Alle Maßnahmen im Detail: Dekubitus vorbeugen und Ernährung bei Dekubitus.
Wann zum Arzt?
- Offene Wunde (ab Grad 2) – immer ärztlich begleiten
- Rötung, die sich nach Entlastung nicht zurückbildet
- Zeichen einer Infektion (Wärme, Eiter, Geruch, Fieber)
- Grunderkrankungen wie Diabetes oder Durchblutungsstörungen
Häufige Fragen zu Dekubitus am Steißbein
Warum entsteht Dekubitus am Steißbein so häufig?
Weil der Knochen im Sakralbereich direkt unter der Haut liegt – mit kaum Polsterung. Beim Liegen und Sitzen lastet hier viel Gewicht, der Druck drückt die Durchblutung ab. Deshalb ist das Steißbein die häufigste Dekubitus-Stelle.
Wie behandelt man einen Dekubitus am Steißbein?
Zentral ist die konsequente Druckentlastung (Umlagern, Matratze, Sitzkissen). Die Wunde wird je nach Grad nach den Prinzipien der feuchten Wundheilung versorgt. Ab einer offenen Wunde (Grad 2) gehört die Behandlung in ärztliche bzw. wundfachliche Hände.
Welches Sitzkissen hilft bei Dekubitus am Steißbein?
Antidekubitus-Sitzkissen aus Gel, Luftkammern oder Schaum mit Aussparung im Steißbereich verteilen den Druck gleichmäßig. Bei anerkanntem Pflegegrad ist oft ein Zuschuss möglich.
Wie beugt man Dekubitus am Steißbein vor?
Regelmäßiges Umlagern (ca. alle 2 Stunden), druckverteilende Matratzen und Sitzkissen, Hautpflege und -kontrolle, Vermeidung von Feuchtigkeit und Reibung sowie eine eiweiß- und flüssigkeitsreiche Ernährung.
Wie lange dauert die Heilung eines Dekubitus am Steißbein?
Das hängt vom Grad ab: Eine Rötung (Grad 1) bildet sich bei konsequenter Druckentlastung oft in wenigen Tagen zurück. Eine offene Wunde (Grad 2) braucht Wochen, tiefe Wunden (Grad 3–4) Monate und professionelle Wundversorgung. Entscheidend ist die durchgehende Druckentlastung.
Welche Creme hilft bei einer Druckstelle am Steißbein?
Bei intakter, geröteter Haut helfen Hautschutzcremes (z. B. mit Zinkoxid) als Feuchtigkeitsbarriere – nicht einmassieren. Auf eine offene Wunde gehört keine herkömmliche Creme, sondern eine fachgerechte Wundauflage nach ärztlicher Anweisung.