Kompressionsstrümpfe: Klassen, Indikationen & Kauf-Ratgeber

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Müde, schwere Beine, Krampfadern oder ein offenes Bein: Kompressionsstrümpfe sind die Basistherapie bei fast allen Venenerkrankungen. Doch zwischen frei verkäuflichen Stützstrümpfen und medizinischen Kompressionsstrümpfen mit definierten Druckklassen liegen Welten. Dieser Ratgeber erklärt verständlich, welcher Strumpf wann sinnvoll ist, was die Kompressionsklassen bedeuten und wie Sie zu Ihren Strümpfen kommen.

Kurz gefasst
  • Stützstrümpfe = frei verkäuflich, für gesunde Beine (Reise, langes Stehen)
  • Medizinische Kompressionsstrümpfe = Medizinprodukt mit graduiertem Druck, auf Rezept, im Sanitätshaus angemessen
  • Kompressionsklasse (KKL 1–4) legt der Arzt fest — je höher, desto stärker der Druck
  • Kasse zahlt medizinische Strümpfe auf Rezept (minus Zuzahlung)

Was sind Kompressionsstrümpfe?

Kompressionsstrümpfe üben einen gezielten Druck auf das Bein aus. Das Besondere am medizinischen Strumpf: Der Druck ist graduiert — am Knöchel am stärksten, nach oben hin abnehmend. Dieser Druckverlauf unterstützt die Venen dabei, das Blut entgegen der Schwerkraft zurück zum Herzen zu pumpen. Die Venenklappen schließen wieder besser, Schwellungen gehen zurück und das Risiko für Komplikationen sinkt.

Die Kompressionstherapie ist die Basisbehandlung der chronischen Venenschwäche und spielt auch bei der Abheilung eines offenen Beins (Ulcus cruris) eine zentrale Rolle.

Stützstrümpfe vs. Kompressionsstrümpfe

MerkmalStützstrümpfeMedizinische Kompressionsstrümpfe
StatusWellness-Produkt, frei verkäuflichMedizinprodukt, verordnungsfähig
Druckverlaufgleichmäßig, geringgraduiert, definiert (mmHg)
Einsatzgesunde Beine, Reise, langes StehenVenenleiden, Lymphödem, nach Thrombose/OP
AnmessungKonfektionsgrößeindividuell im Sanitätshaus
KostenSelbstzahlerKasse auf Rezept (minus Zuzahlung)

Die Kompressionsklassen (KKL 1–4)

KlasseDruck am KnöchelStärkeTypische Indikation
KKL 118–21 mmHgleichtMüde, schwere Beine, beginnende Venenschwäche, Schwangerschaft
KKL 223–32 mmHgmittelKrampfadern, nach Thrombose, nach Venen-OP/Verödung
KKL 334–46 mmHgkräftigAusgeprägte Veneninsuffizienz, Lymphödem, Ulcus cruris
KKL 4ab 49 mmHgsehr kräftigSchwere Lymphödeme
Die Klasse legt immer der Arzt fest

Ein zu schwacher Strumpf wirkt nicht, ein zu starker kann schaden — besonders bei gleichzeitiger arterieller Durchblutungsstörung. Kaufen Sie medizinische Kompressionsstrümpfe daher nie „auf Verdacht", sondern nach ärztlicher Verordnung und Anmessung.

Wann werden Kompressionsstrümpfe eingesetzt?

  • Chronische Venenschwäche / Krampfadern: lindern Schwellungen, Schweregefühl und Schmerzen
  • Nach Thrombose: beugen dem postthrombotischen Syndrom vor
  • Nach Venen-OP oder Verödung: unterstützen die Heilung
  • Lymphödem: Teil der komplexen Entstauungstherapie
  • Offenes Bein (Ulcus cruris venosum): Kompression ist entscheidend für die Abheilung
  • Schwangerschaft: gegen Stauungen und Krampfadern
  • Reise & langes Sitzen/Stehen: hier genügen meist Stütz- oder Reisestrümpfe

Rezept, Anmessen & Krankenkasse

  1. Diagnose & Verordnung: Haus- oder Facharzt (Phlebologe) stellt Indikation und Kompressionsklasse fest und stellt ein Rezept aus.
  2. Anmessen: Im Sanitätshaus oder in der Apotheke werden die Beine vermessen (am besten morgens) — Konfektion oder Maßanfertigung.
  3. Kostenübernahme: Die Kasse trägt die Kosten, Sie zahlen nur die gesetzliche Zuzahlung (5–10 €).
  4. Folgeversorgung: Pro Jahr stehen Ihnen in der Regel zwei Paar zu, da die Kompression nach ~6 Monaten nachlässt.

Richtig anziehen und pflegen

Kompressionsstrümpfe wirken nur, wenn sie korrekt sitzen und konsequent getragen werden:

  • Morgens anziehen, solange die Beine abgeschwollen sind
  • Strumpf bis zur Ferse auf links drehen, Fuß einführen, dann hochrollen — nicht zerren
  • Gummihandschuhe oder eine Anziehhilfe erleichtern das Anlegen erheblich
  • Täglich bei 30–40 °C waschen, an der Luft trocknen, keinen Weichspüler verwenden
  • Auf Falten und einschneidende Ränder achten — sie können Druckstellen verursachen
Bei Druckstellen oder Hautproblemen

Achten Sie bei empfindlicher oder vorgeschädigter Haut auf beginnende Druckstellen. Wie Sie diese erkennen und versorgen, lesen Sie in unserem Ratgeber zur Wundversorgung und zur Dekubitus-Vorbeugung.

Häufig gestellte Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Stützstrümpfen und Kompressionsstrümpfen?

Stützstrümpfe sind ein frei verkäufliches Wellness-Produkt mit leichtem, von oben nach unten gleichmäßigem Druck — gedacht für gesunde Beine bei langem Sitzen, Stehen oder auf Reisen. Medizinische Kompressionsstrümpfe haben einen definierten, nach unten abnehmenden Druckverlauf (graduiert), werden in Kompressionsklassen eingeteilt, ärztlich verordnet und individuell angemessen. Nur sie sind ein Medizinprodukt zur Behandlung von Venenleiden.

Welche Kompressionsklassen gibt es?

Es gibt vier Klassen, gemessen am Knöcheldruck: KKL 1 (leicht, 18–21 mmHg) bei müden, schweren Beinen und beginnender Venenschwäche; KKL 2 (mittel, 23–32 mmHg) bei Krampfadern, nach Thrombose oder Venen-OP; KKL 3 (kräftig, 34–46 mmHg) bei ausgeprägter Veneninsuffizienz und Lymphödem; KKL 4 (sehr kräftig, ab 49 mmHg) bei schweren Lymphödemen. Die Klasse legt der Arzt fest.

Werden Kompressionsstrümpfe von der Krankenkasse bezahlt?

Ja. Medizinische Kompressionsstrümpfe sind auf Rezept verordnungsfähig und werden von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen (abzüglich der gesetzlichen Zuzahlung von 5–10 €). Sie werden im Sanitätshaus oder in der Apotheke angemessen. Stützstrümpfe ohne medizinische Indikation zahlen Sie selbst.

Wie ziehe ich Kompressionsstrümpfe richtig an?

Am besten morgens, solange die Beine noch abgeschwollen sind. Den Strumpf bis zur Ferse auf links drehen, Fuß einführen, Ferse korrekt positionieren und den Strumpf dann Stück für Stück hochrollen — nicht zerren. Gummihandschuhe verbessern den Griff. Bei eingeschränkter Beweglichkeit erleichtert eine Anziehhilfe das Anlegen erheblich.

Wie pflege ich Kompressionsstrümpfe?

Täglich bei 30–40 °C im Schonwaschgang oder mit der Hand waschen, an der Luft trocknen (nicht auf die Heizung, nicht in den Trockner). Keine Weichspüler oder Bleiche verwenden, da sie die elastischen Fasern schädigen. Medizinische Strümpfe verlieren nach etwa 6 Monaten ihre Kompressionswirkung — dann steht in der Regel eine neue Verordnung zu.

Wann sollte man keine Kompressionsstrümpfe tragen?

Vorsicht ist geboten bei fortgeschrittener arterieller Durchblutungsstörung (pAVK), dekompensierter Herzinsuffizienz, akuter Beininfektion oder bestimmten Nervenschäden. In diesen Fällen muss die Eignung ärztlich abgeklärt werden — bei arteriellen Durchblutungsstörungen kann Kompression schaden.

Druckstelle oder Hautveränderung am Bein?

Unser Wund-Check hilft Ihnen einzuschätzen, ob eine Hautveränderung harmlos ist oder ärztlich abgeklärt werden sollte.

Zum Wund-Check
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Coryn Högberg, ICW-Wundexpertin
Medizinisch geprüfter Inhalt

Dieser Ratgeber basiert auf den Leitlinien zur Kompressionstherapie (u. a. der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie und Lymphologie) sowie den Vorgaben des RAL-Gütezeichens für medizinische Kompressionsstrümpfe. Die Inhalte ersetzen keine ärztliche Beratung oder Anmessung im Sanitätshaus. Stand: Juni 2026. Mehr zur Autorin

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