Dekubitus — Wundliegen — entsteht, wenn Haut und Gewebe zu lange dem gleichen Druck ausgesetzt sind. Die regelmäßige Lagerung ist die wirksamste Maßnahme, um das zu verhindern. Doch richtiges Lagern ist mehr als nur Umdrehen: Es gibt Techniken, die den Druck gezielt von den gefährdeten Stellen nehmen.

Dieser Ratgeber erklärt Ihnen Schritt für Schritt die wichtigsten Lagerungstechniken — verständlich, praxisnah und ohne Fachlatein. Sie erfahren, welche Positionen am besten schützen, wie oft Sie umlagern sollten und welche Fehler Sie unbedingt vermeiden müssen.

Warum richtige Lagerung so entscheidend ist

Druckentlastung ist die wichtigste Einzelmaßnahme gegen Dekubitus. Kein Medikament, keine Salbe und keine noch so gute Matratze kann ersetzen, was regelmäßiges Umlagern leistet.

Der Grund liegt in der Biologie: Unsere kleinsten Blutgefäße — die Kapillaren — werden bereits ab einem Druck von etwa 32 mmHg verschlossen. Das klingt nach wenig, und das ist es auch. Schon das Eigengewicht des Körpers auf einer Matratze erzeugt an Knochenvorsprüngen (Steißbein, Fersen, Hüftknochen) Drücke, die diesen Wert deutlich überschreiten.

Wird der Druck nicht regelmäßig aufgehoben, wird das Gewebe nicht mehr durchblutet. Ohne Durchblutung fehlen Sauerstoff und Nährstoffe — die Zellen sterben ab. Was als rote Druckstelle beginnt, kann sich innerhalb weniger Stunden zu einer tiefen, schwer heilenden Wunde entwickeln.

Die gute Nachricht: Laut dem Deutschen Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) sind bis zu 95 % aller Dekubitus vermeidbar — vorausgesetzt, die richtigen Maßnahmen werden konsequent umgesetzt. Und die wichtigste davon ist die korrekte, regelmäßige Lagerung.

Wichtig zu verstehen: Lagerung bedeutet nicht einfach nur "umdrehen". Es geht um systematische Druckentlastung — also darum, die gefährdeten Körperstellen gezielt vom Auflagedruck zu befreien. Dabei kommt es auf die richtigen Winkel, die richtige Position der Kissen und die richtigen Zeitintervalle an.

Die wichtigsten Lagerungspositionen

30-Grad-Seitenlage — der Goldstandard

Die 30-Grad-Seitenlage ist die am besten untersuchte und empfohlene Lagerungstechnik in der Dekubitus-Prophylaxe. Der entscheidende Vorteil: Bei 30 Grad liegt weder das Kreuzbein noch der große Rollhügel (Trochanter) direkt auf.

Warum 30 Grad und nicht 90 Grad? Bei der klassischen 90-Grad-Seitenlage liegt der Trochanter — der Knochenvorsprung an der Außenseite der Hüfte — mit dem gesamten Körpergewicht direkt auf der Matratze. Das ergibt den höchsten Auflagedruck aller Positionen und ist die häufigste Ursache für Dekubitus am Trochanter. Die 30-Grad-Neigung verteilt das Gewicht dagegen auf eine viel größere Fläche.

So geht es — Schritt für Schritt:

  1. Rückenlage einnehmen: Bringen Sie die pflegebedürftige Person zunächst in eine stabile Rückenlage in der Mitte des Bettes.
  2. Keilkissen positionieren: Legen Sie ein Keilkissen oder eine fest zusammengerollte Decke längs an eine Seite des Rückens — vom Schulterblatt bis zur Hüfte.
  3. Sanft zur Seite neigen: Drehen Sie die Person behutsam auf die gegenüberliegende Seite, sodass sie mit dem Rücken auf dem Keilkissen aufliegt. Der Winkel zur Matratze sollte etwa 30 Grad betragen — also nur eine leichte Neigung, kein volles Auf-der-Seite-Liegen.
  4. Beine stabilisieren: Legen Sie ein kleines Kissen zwischen die Knie und Knöchel, um Druckstellen an den Knochenvorsprüngen zu vermeiden.
  5. Position prüfen: Kontrollieren Sie: Liegt das Kreuzbein frei? Liegt der Trochanter frei? Berühren sich die Knie nicht direkt? Wenn ja, ist die Lagerung korrekt.

Hilfsmittel: Ein Keilkissen (30°) ist ideal. Alternativ genügt eine fest zusammengerollte Decke oder ein großes Handtuch.

30-Grad-Seitenlage: Querschnitt einer Person im Bett mit Keilkissen Matratze Keilkissen 30° Druckentlastung Kreuzbein

Schematische Darstellung der 30-Grad-Seitenlage mit Keilkissen hinter dem Rücken

Rückenlage mit Mikrolagerung

Die Mikrolagerung ist eine besonders schonende Methode, bei der nur kleine Positionsänderungen von 5–10 Grad vorgenommen werden. Sie eignet sich hervorragend für die Nacht, weil die pflegebedürftige Person kaum geweckt wird.

So funktioniert es:

  • Falten Sie ein Handtuch oder ein flaches Kissen und schieben Sie es unter eine Gesäßhälfte.
  • Nach 2 Stunden entfernen Sie das Kissen und schieben es unter die andere Gesäßhälfte.
  • So verlagert sich der Auflagedruck minimal, aber ausreichend, um die Durchblutung in der zuvor belasteten Zone wiederherzustellen.

Vorteil: Die Person wird kaum gestört, muss nicht komplett umgedreht werden und die Nachtruhe bleibt weitgehend erhalten. Mikrolagerung ist besonders gut für Patienten geeignet, die sich gegen das vollständige Umlagern wehren.

135-Grad-Schräglage (Fast-Bauchlage)

Die 135-Grad-Lagerung ist das Gegenteil der 30-Grad-Seitenlage: Die Person liegt fast auf dem Bauch, leicht zur Seite geneigt. Diese Position entlastet das gesamte Kreuzbein und den Rücken komplett.

Wann ist sie sinnvoll?

  • Wenn bereits ein Dekubitus am Kreuzbein (Sakraldekubitus) besteht und die Rücken- und Seitenlage vermieden werden muss.
  • Als Abwechslung im Lagerungsplan, um alle Druckzonen gleichmäßig zu entlasten.

So geht es:

  1. Legen Sie ein großes Kissen oder eine Rolle seitlich vor den Oberkörper der Person.
  2. Drehen Sie die Person behutsam nach vorne, sodass sie fast auf dem Bauch liegt, aber auf dem Kissen aufgestützt wird.
  3. Das obere Bein anwinkeln und mit einem Kissen abstützen.
  4. Den Kopf zur Seite drehen, damit die Atmung frei ist.
Nicht bei allen geeignet: Die 135-Grad-Lagerung ist nicht möglich bei Atemnot, starkem Übergewicht, bestimmten Herzerkrankungen oder wenn die Person Angst in Bauchlage hat. Besprechen Sie diese Position immer zuerst mit dem behandelnden Arzt.

Fersen frei lagern

Die Fersen sind nach dem Kreuzbein die zweithäufigste Stelle für Dekubitus. Der Grund: Die Ferse hat kaum Unterhautfettgewebe — der Knochen liegt fast direkt unter der Haut. Schon wenige Stunden Auflagedruck können hier einen Dekubitus auslösen.

Die Grundregel: Fersen müssen komplett frei schweben. Das erreichen Sie, indem Sie ein Kissen unter die Unterschenkel legen — nicht unter die Fersen selbst!

Fersenlagerung: Falsch (Kissen unter Ferse) vs. Richtig (Kissen unter Unterschenkel, Ferse frei) ✗ Falsch Kissen Druck! Ferse liegt auf dem Kissen auf ✓ Richtig Kissen frei! Ferse schwebt frei in der Luft

Links: Kissen unter der Ferse erzeugt Druck. Rechts: Kissen unter dem Unterschenkel, Ferse schwebt frei.

Wichtige Details:

  • Das Kissen muss lang genug sein, um den gesamten Unterschenkel zu stützen — von der Kniekehle bis kurz vor die Ferse.
  • Die Ferse darf die Matratze nicht berühren — auch nicht leicht.
  • Kontrollieren Sie regelmäßig, ob die Kissen verrutscht sind.
  • Spezielle Fersenschoner (offene Konstruktion) können zusätzlich helfen, die Kissen in Position zu halten.

Sitzen im Rollstuhl

Auch im Rollstuhl oder im Sessel besteht Dekubitus-Gefahr — und zwar höher als im Liegen, weil das gesamte Körpergewicht auf einer kleineren Fläche (Sitzbeinhöcker) lastet.

Die wichtigsten Regeln:

  • Maximal 2 Stunden am Stück sitzen, dann zurück ins Bett oder in eine andere Position.
  • Alle 15–30 Minuten eine kurze Druckentlastung durchführen: Gewicht zur Seite verlagern, kurzes Anheben des Gesäßes durch Abstützen auf die Armlehnen oder Vornüberbeugen.
  • Ein Anti-Dekubitus-Sitzkissen (Gel, Luft oder Schaumstoff) verwenden — kein normales Kissen und kein Ringkissen.
  • Auf eine aufrechte Sitzposition achten — Rutschen im Stuhl erzeugt Scherkräfte.

Mehr zu geeigneten Sitz- und Liegeunterlagen finden Sie in unserem Ratgeber Anti-Dekubitus-Matratzen und Sitzkissen.

Lagerungsplan: So oft sollten Sie umlagern

Ein fester Lagerungsplan hilft Ihnen, den Überblick zu behalten und keine Umlagerung zu vergessen. Der folgende Plan zeigt einen bewährten 24-Stunden-Rhythmus mit Positionswechsel alle 2 Stunden:

Uhrzeit Position Hilfsmittel Erledigt ☐
7:00 Rückenlage Fersenkissen
9:00 30°-Seitenlage links Keilkissen + Kniekissen
11:00 Rückenlage Fersenkissen + Mikrolagerung rechts
13:00 30°-Seitenlage rechts Keilkissen + Kniekissen
15:00 Sitzen (Rollstuhl/Sessel) Anti-Dekubitus-Sitzkissen
17:00 Rückenlage Fersenkissen + Mikrolagerung links
19:00 30°-Seitenlage links Keilkissen + Kniekissen
21:00 Rückenlage Fersenkissen
23:00 Mikrolagerung rechts Gefaltetes Handtuch
1:00 Mikrolagerung links Gefaltetes Handtuch
3:00 Mikrolagerung rechts Gefaltetes Handtuch
5:00 Mikrolagerung links Gefaltetes Handtuch
Tipp: Drucken Sie diesen Plan aus und hängen Sie ihn neben das Pflegebett. Haken Sie jede durchgeführte Lagerung ab — so behalten Sie den Überblick und können dem Arzt oder Pflegedienst bei Bedarf zeigen, was Sie tun.

Wichtig: Dieser Plan ist ein Muster. Die tatsächlichen Intervalle hängen vom individuellen Dekubitus-Risiko ab. Wenn eine Anti-Dekubitus-Matratze verwendet wird, können die nächtlichen Intervalle in Absprache mit dem Arzt möglicherweise auf 3–4 Stunden verlängert werden. Besprechen Sie den Plan immer mit dem behandelnden Arzt oder Pflegedienst.

Scherkräfte vermeiden — der unsichtbare Feind

Neben dem direkten Auflagedruck gibt es einen zweiten, oft unterschätzten Risikofaktor: Scherkräfte. Sie entstehen, wenn sich die Hautoberfläche und das darunterliegende Gewebe in verschiedene Richtungen verschieben.

Stellen Sie es sich so vor: Wenn jemand im Bett nach unten rutscht, bleibt die Haut am Rücken teilweise an der Matratze "kleben", während der Körper nach unten gleitet. Die Hautschichten werden gegeneinander verschoben — die Blutgefäße werden abgeknickt und das Gewebe wird geschädigt, auch ohne hohen Auflagedruck.

Wann entstehen Scherkräfte?

  • Kopfteil zu hoch gestellt (über 30°) — die Person rutscht langsam nach unten
  • Rutschen im Bett oder Rollstuhl — besonders bei glatten Bettwäschen
  • Falsches Hochziehen im Bett — wenn die Person über die Matratze gezogen wird
  • Rutschen beim Transfer zwischen Bett und Rollstuhl

So vermeiden Sie Scherkräfte

  • Kopfteil maximal 30° hochstellen. Muss die Person zum Essen höher sitzen, stellen Sie das Kopfteil nur kurzzeitig höher und senken Sie es danach sofort wieder ab.
  • Rutschbremse am Fußende: Ein zusammengerolltes Handtuch oder ein kleines Kissen am Fußende verhindert, dass die Person nach unten rutscht.
  • HEBEN statt ZIEHEN: Ziehen Sie die Person niemals über die Matratze. Heben Sie sie stattdessen kurz an oder nutzen Sie Hilfsmittel.
  • Transferhilfen nutzen: Gleitmatten, Rutschbretter und Hebetücher reduzieren Scherkräfte beim Umlagern und Transfer erheblich.
Achtung: Ziehen Sie die pflegebedürftige Person NIEMALS an den Armen oder der Kleidung über die Matratze. Das erzeugt massive Scherkräfte am Rücken und Gesäß und kann innerhalb weniger Minuten Hautschäden verursachen — auch wenn äußerlich zunächst nichts sichtbar ist.

Nachts umlagern — ohne den Schlaf zu ruinieren

Das nächtliche Umlagern ist für viele pflegende Angehörige die größte Belastung. Alle zwei Stunden aufstehen, umlagern, wieder einschlafen — auf Dauer zehrt das an der Gesundheit der Pflegeperson und der pflegebedürftigen Person.

Das Dilemma

Einerseits braucht die Haut regelmäßige Druckentlastung. Andererseits ist Schlaf essenziell für Wohlbefinden, Immunsystem und Wundheilung. Glücklicherweise gibt es Strategien, die beides besser vereinbaren:

Strategien für die Nacht

  • Mikrolagerung statt volles Umlagern: Nachts reicht oft eine kleine Positionsverschiebung mit einem Handtuch unter einer Gesäßhälfte. Das dauert wenige Sekunden und die Person wird kaum wach.
  • In eine Anti-Dekubitus-Matratze investieren: Eine gute Wechseldruck- oder Weichlagerungsmatratze kann die nächtlichen Umlagerungsintervalle deutlich verlängern. Die Kosten übernimmt die Krankenkasse (Rezept vom Arzt).
  • Intervalle verlängern: Bei guter Matratze und niedrigem bis mittlerem Risiko können die nächtlichen Abstände in Absprache mit dem Arzt auf 3–4 Stunden ausgedehnt werden.
  • Schlafmuster nutzen: Viele Menschen werden nachts ohnehin kurz wach (z. B. für den Toilettengang). Synchronisieren Sie das Umlagern mit diesen natürlichen Wachphasen.

Sich selbst entlasten

Wenn Sie das nächtliche Umlagern allein nicht dauerhaft schaffen, gibt es Hilfe:

  • Verhinderungspflege (bis 1.612 Euro/Jahr, ab Pflegegrad 2) kann auch für nächtliche Entlastungseinsätze genutzt werden.
  • Ambulanter Pflegedienst: Viele Dienste bieten nächtliche Kurz-Einsätze speziell zum Umlagern an.
  • Familienmitglieder einbeziehen: Teilen Sie Nachtschichten auf, wenn möglich.

Mehr zum Thema Selbstfürsorge und Entlastungsangebote finden Sie in unserem Ratgeber Dekubitus vorbeugen: 10 Tipps für den Pflegealltag.

Die 5 häufigsten Fehler bei der Lagerung

Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht. Diese fünf Fehler sehen wir in der häuslichen Pflege besonders häufig:

1. Ringkissen oder Schwimmringe verwenden

Ringkissen scheinen logisch: Das Loch entlastet die betroffene Stelle. Doch genau das Gegenteil passiert — der Rand des Rings erzeugt einen Ring aus erhöhtem Druck um die Wunde herum. Die Durchblutung wird in einem größeren Bereich gestört, als wenn die Person flach liegen würde.

Ringkissen sind schädlich! Ringkissen und Schwimmringe sind kontraindiziert (medizinisch nicht empfohlen) bei Dekubitus-Risiko. Sie erhöhen den Druck am Rand und verschlechtern die Durchblutung. Verwenden Sie stattdessen flache Kissen, Keilkissen oder Anti-Dekubitus-Matratzen.

2. Fersen vergessen

Viele Angehörige konzentrieren sich auf das Kreuzbein und vergessen die Fersen. Dabei sind die Fersen die zweithäufigste Dekubitus-Stelle. Bei jeder Umlagerung sollten Sie die Fersen kontrollieren und sicherstellen, dass sie frei schweben.

3. Kopfteil zu hoch stellen

Ein Kopfteil über 30° Neigung erzeugt Scherkräfte am Steißbein und begünstigt das Abrutschen im Bett. Stellen Sie das Kopfteil nur zum Essen oder Trinken kurzzeitig höher — und senken Sie es danach konsequent wieder ab.

4. Kissen UNTER die schmerzende Stelle statt NEBEN sie

Wenn eine Druckstelle am Steißbein sichtbar wird, legen manche Angehörige ein Kissen direkt unter die betroffene Stelle. Das erhöht den Druck dort aber noch weiter. Richtig: Kissen neben die Druckstelle legen, um den Körper so zu neigen, dass die betroffene Stelle frei liegt.

5. Zu weiche Unterlage auf der Anti-Dekubitus-Matratze

Wird eine dicke Moltonauflage oder ein normaler Matratzenschoner auf die Anti-Dekubitus-Matratze gelegt, wird deren Wirkung neutralisiert. Die Druckverteilung der Spezialmatratze kann nicht mehr bis zum Körper durchdringen. Verwenden Sie nur dünne, elastische Bezüge, die speziell für Anti-Dekubitus-Matratzen freigegeben sind.

Hilfsmittel für die Lagerung

Mit den richtigen Hilfsmitteln wird das Lagern einfacher, schonender und effektiver. Die meisten Lagerungshilfsmittel werden von der Krankenkasse oder Pflegekasse bezuschusst oder vollständig übernommen.

Hilfsmittel Einsatzzweck Kostenübernahme Ca. Preis
Lagerungskissen (Set) 30°-Seitenlage, Abstützung Krankenkasse (Rezept) 30–80 €
Keilkissen (30°) 30°-Seitenlage Krankenkasse (Rezept) 20–50 €
Fersenschoner Fersen frei lagern Krankenkasse (Rezept) 15–40 €
Gleitmatten / Rutschbretter Scherkräfte beim Umlagern reduzieren Krankenkasse (Rezept) 30–100 €
Anti-Dekubitus-Matratze Druckverteilung im Liegen Krankenkasse (Rezept, Leihgabe) 200–2.000 € (Zuzahlung max. 10 €)
Bettgalgen / Aufrichthilfe Eigenständiges Umsetzen, Entlastung der Pflegeperson Krankenkasse (Rezept) 50–150 €

So beantragen Sie Hilfsmittel: Ihr Hausarzt stellt ein Rezept über das jeweilige Hilfsmittel aus. Mit dem Rezept wenden Sie sich an ein Sanitätshaus oder direkt an Ihre Krankenkasse. Die Genehmigung dauert in der Regel 1–2 Wochen. Die Zuzahlung beträgt maximal 10 Euro pro Hilfsmittel.

Ausführliche Informationen zu Anti-Dekubitus-Matratzen finden Sie in unserem Ratgeber Anti-Dekubitus-Matratzen: Welche ist die richtige?. Einen Überblick über alle Pflegehilfsmittel gibt unser Ratgeber Pflegehilfsmittel-Übersicht.

Wann professionelle Hilfe holen?

Nicht alles können und müssen Sie alleine schaffen. In folgenden Situationen sollten Sie sich professionelle Unterstützung holen:

  • Hautrötung, die nach 30 Minuten nicht verschwindet: Das ist ein Dekubitus Stadium 1. Kontaktieren Sie den Hausarzt und lassen Sie sich eine individuelle Lagerungsempfehlung geben. Mehr dazu in unserem Ratgeber Dekubitus-Stadien erkennen.
  • Hautveränderungen trotz regelmäßiger Lagerung: Wenn sich die Haut trotz konsequentem Umlagern verschlechtert, stimmt möglicherweise die Technik nicht oder es gibt zusätzliche Risikofaktoren (Mangelernährung, Durchblutungsstörungen). Eine professionelle Einschätzung ist dann wichtig.
  • Körperliche Überforderung: Rückenschmerzen, Erschöpfung und Schlafmangel bei der Pflegeperson sind ernst zu nehmende Warnsignale. Beantragen Sie einen ambulanten Pflegedienst oder nutzen Sie die Verhinderungspflege.
  • Individuelle Lagerungsberatung: Bei komplexen Situationen (z. B. Kontrakturen, Adipositas, multiple Druckstellen) sollte ein Pflegedienst oder Wundmanager eine individuelle Lagerungsplanung erstellen.

Nutzen Sie unseren Dekubitus-Risiko-Check, um das individuelle Risiko Ihres Angehörigen einzuschätzen. Der Check basiert auf der Braden-Skala und dauert nur 3 Minuten.

Häufige Fragen zu Lagerungstechniken

Wie oft muss ich nachts umlagern?

In der Regel alle 2 Stunden, bei hohem Risiko häufiger. Mit einer guten Anti-Dekubitus-Matratze können die Intervalle in Absprache mit dem Arzt auf 3–4 Stunden verlängert werden. Nutzen Sie nachts bevorzugt Mikrolagerungen (kleine Positionsverschiebungen mit Keilkissen), um den Schlaf so wenig wie möglich zu stören.

Kann eine gute Matratze das Umlagern ersetzen?

Nein. Auch die beste Anti-Dekubitus-Matratze ersetzt das Umlagern nicht vollständig. Sie kann den Druck besser verteilen und so die Umlagerungsintervalle verlängern — aber eine komplette Druckentlastung erreicht nur die regelmäßige Positionsänderung. Sprechen Sie mit dem Arzt oder Pflegedienst, welche Intervalle bei Ihrer Matratze sinnvoll sind.

Was tun, wenn sich die Person gegen das Umlagern wehrt?

Das kommt häufig vor, besonders bei Demenz oder Schmerzen. Versuchen Sie: Ruhig erklären, was Sie tun und warum. Umlagern mit anderen Tätigkeiten verbinden (Windelwechsel, Anziehen). Mikrolagerungen statt großer Lagewechsel nutzen — sie sind kaum spürbar. Wenn Schmerzen die Ursache sind, sprechen Sie mit dem Arzt über eine Schmerzmedikation vor dem Umlagern.

Ist Umlagern bei Pflegegrad 1 schon nötig?

Pflegegrad 1 bedeutet geringe Beeinträchtigung. Wenn die Person sich noch selbstständig bewegen kann, reicht es meist, auf regelmäßige Positionswechsel zu achten und Risikofaktoren zu beobachten. Nutzen Sie unseren Dekubitus-Risiko-Check, um das individuelle Risiko einzuschätzen. Bei eingeschränkter Mobilität sollten Sie trotzdem frühzeitig mit Mikrolagerungen beginnen.

Darf ich die Person auf die Seite mit Dekubitus lagern?

Nein. Eine bestehende Druckstelle darf keinem weiteren Druck ausgesetzt werden. Lagern Sie immer auf die gesunde Seite oder nutzen Sie die 30-Grad-Schräglage, um die betroffene Stelle komplett zu entlasten. Bei Dekubitus am Kreuzbein kann die 135-Grad-Schräglage (Fast-Bauchlage) eine gute Alternative sein.

Wie lagere ich im Rollstuhl richtig?

Im Rollstuhl gilt: Maximal 2 Stunden am Stück sitzen. Alle 15–30 Minuten sollte eine kurze Druckentlastung erfolgen — durch Gewichtsverlagerung zur Seite, kurzes Anheben des Gesäßes (Stützen auf die Armlehnen) oder Vornüberbeugen. Ein Anti-Dekubitus-Sitzkissen (Gel oder Luft) verteilt den Druck zusätzlich. Ringkissen sind nicht geeignet.

Übernimmt die Kasse Lagerungshilfsmittel?

Ja, viele Lagerungshilfsmittel sind im Hilfsmittelverzeichnis der Krankenkassen gelistet. Anti-Dekubitus-Matratzen, Lagerungskissen und Fersenschoner können vom Arzt verordnet werden. Die Zuzahlung beträgt maximal 10 Euro. Pflegehilfsmittel zum Verbrauch (z. B. Bettschutzeinlagen) werden bis 42 Euro monatlich von der Pflegekasse übernommen.

Ab wann brauche ich einen ambulanten Pflegedienst zur Unterstützung?

Spätestens wenn Sie sich körperlich überfordert fühlen (Rückenschmerzen, Erschöpfung), das nächtliche Umlagern allein nicht schaffen oder Ihr Angehöriger bereits einen Dekubitus entwickelt hat. Ab Pflegegrad 2 stehen Ihnen Sachleistungen für einen ambulanten Pflegedienst zu. Auch die Verhinderungspflege (bis 1.612 Euro/Jahr) kann für nächtliche Unterstützung genutzt werden.

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Unser Risiko-Check basiert auf der Braden-Skala und zeigt in 3 Minuten, wie gefährdet Ihr Angehöriger ist.

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