Inhaltsverzeichnis
- Warum ist Wunddokumentation wichtig?
- Was sollten Sie dokumentieren?
- Wundfotos richtig machen
- Die Dokumentations-Checkliste
- Ein Wundtagebuch führen
- Wundgröße messen — einfache Methoden
- Wundgrund beurteilen: Die Farben der Wunde
- Dokumentation für den Arztbesuch nutzen
- Digitale Hilfsmittel
- Häufige Fragen
Wenn Sie einen Angehörigen mit einer chronischen Wunde pflegen — sei es ein offenes Bein, ein Dekubitus oder eine Wunde am diabetischen Fuß — ist die Dokumentation des Wundverlaufs ein oft unterschätztes, aber enorm wichtiges Werkzeug. Denn Wunden verändern sich schleichend, und ohne Aufzeichnungen lässt sich schwer beurteilen, ob die Behandlung wirkt oder ob ein Problem entsteht.
In diesem Ratgeber zeigen wir Ihnen, wie Sie als Laie eine einfache, aber aussagekräftige Wunddokumentation führen können — ohne medizinische Vorkenntnisse.
Warum ist Wunddokumentation wichtig?
Vielleicht fragen Sie sich: „Dokumentiert das nicht der Pflegedienst?“ Ja, professionelle Pflegedienste sind sogar gesetzlich zur Wunddokumentation verpflichtet. Aber es gibt gute Gründe, warum auch Sie als Angehöriger dokumentieren sollten:
- Veränderungen erkennen: Wenn Sie die Wunde täglich sehen, gewöhnen sich Ihre Augen daran. Langsame Verschlechterungen fallen oft nicht auf. Ein Foto von vor 2 Wochen zeigt sofort, ob sich etwas verändert hat.
- Kommunikation verbessern: „Die Wunde sieht irgendwie anders aus“ hilft dem Arzt wenig. „Die Wunde war am 15. März 3x2 cm, jetzt ist sie 4x3 cm, und der Geruch hat sich verstärkt“ ist eine klare Information.
- Therapieerfolg beurteilen: Wirkt die neue Wundauflage? Ist die Wunde unter der neuen Behandlung kleiner geworden? Nur mit Dokumentation lässt sich das objektiv bewerten.
- Frühzeitig reagieren: Wenn die Wunde stagniert oder sich verschlechtert, erkennen Sie das früher und können den Arzt informieren.
- Sicherheit für Sie: Eine gute Dokumentation gibt Ihnen die Sicherheit, nichts zu übersehen. Und im Gespräch mit Ärzten stehen Sie auf Augenhöhe.
Was sollten Sie dokumentieren?
Sie müssen kein medizinisches Fachvokabular beherrschen. Es reicht, wenn Sie bei jedem Verbandwechsel oder jeder Kontrolle folgende Punkte festhalten:
Die Basisdaten
- Datum und Uhrzeit
- Wer hat den Verband gewechselt? (Sie, Pflegedienst, Arzt)
- Welche Materialien wurden verwendet?
Die Wunde selbst
- Größe: Länge x Breite (in cm, mit Lineal oder Maßband am Wundrand messen)
- Tiefe: Flach? Tief? Taschen/Unterhöhlungen? (Nur beschreiben, was Sie sehen)
- Farbe des Wundgrundes: Rot? Gelb? Schwarz? Gemischt?
- Beläge: Fibrinbelag (gelblich)? Nekrose (schwarz)?
- Wundrand: Glatt? Aufgeweicht? Unterhöhlt? Neue Haut sichtbar?
Das Exsudat (Wundflüssigkeit)
- Menge: Wenig (Auflage kaum feucht), mäßig (Auflage halb durchfeuchtet), viel (Auflage komplett durchtränkt)
- Farbe: Klar, gelblich, blutig, trüb/milchig, grünlich
- Geruch: Kein Geruch, leicht, stark, übelriechend
Die Wundumgebung
- Hautfarbe: Normal? Gerötet? Verfärbt?
- Schwellung: Ja/Nein? Zunehmend?
- Temperatur: Fühlt sich die Umgebung wärmer an als die restliche Haut?
- Hautzustand: Trocken, schuppig, aufgeweicht (mazeriert)?
Der Betroffene
- Schmerzen: Hat der Betroffene Schmerzen? Stärker oder schwächer als zuvor?
- Allgemeinzustand: Fieber? Müdigkeit? Appetitlosigkeit?
Wundfotos richtig machen
Ein Foto sagt mehr als tausend Worte — besonders bei der Wunddokumentation. Damit die Fotos aussagekräftig sind, beachten Sie diese Regeln:
- Immer der gleiche Abstand: Etwa 30 cm von der Wunde entfernt. So sind die Fotos vergleichbar.
- Immer der gleiche Winkel: Fotografieren Sie die Wunde immer senkrecht von oben (oder dem gleichen seitlichen Winkel).
- Gutes Licht: Tageslicht oder helle Lampe. Kein Blitz direkt auf die Wunde (spiegelt und verfälscht Farben).
- Maßstab mit ins Bild: Legen Sie ein Lineal oder eine Münze (bekannte Größe) neben die Wunde. So kann man die Größe auf dem Foto einschätzen.
- Datum sichtbar: Schreiben Sie das Datum auf einen Zettel und legen Sie ihn mit ins Bild — oder nutzen Sie den Datumsstempel Ihres Handys.
- Sauberer Hintergrund: Ein Einmal-Tuch oder sauberes Handtuch als Unterlage gibt einen neutralen Hintergrund.
Die Dokumentations-Checkliste
Nutzen Sie diese Checkliste bei jedem Verbandwechsel. Sie können sie ausdrucken oder als Vorlage in ein Notizbuch übertragen:
| Punkt | Notiz |
|---|---|
| Datum / Uhrzeit | _______________ |
| Foto gemacht? | Ja / Nein |
| Wundgröße (L x B in cm) | _____ x _____ cm |
| Farbe Wundgrund | rot / gelb / schwarz / gemischt |
| Exsudat (Menge) | wenig / mäßig / viel |
| Exsudat (Farbe) | klar / gelblich / blutig / trüb / grünlich |
| Geruch | keiner / leicht / stark / verändert |
| Wundumgebung | normal / gerötet / geschwollen / warm |
| Schmerzen (Betroffener) | keine / leicht / mittel / stark |
| Verwendete Materialien | _______________ |
| Auffälligkeiten / Bemerkungen | _______________ |
Ein Wundtagebuch führen
Am einfachsten führen Sie die Dokumentation als Wundtagebuch. Das kann sein:
- Ein einfaches Notizbuch: Pro Verbandwechsel eine halbe Seite mit der obigen Checkliste
- Eine Tabelle: In Excel oder Google Sheets, mit Spalten für jeden Dokumentationspunkt
- Eine App: Es gibt spezielle Wunddokumentations-Apps (mehr dazu unter „Digitale Hilfsmittel“)
- Ein Ordner: Ausgedruckte Checklisten in einem Ringordner — zusammen mit den ausgedruckten Fotos
Wundgröße messen — einfache Methoden
Die Wundgröße ist einer der wichtigsten Indikatoren für den Heilungsverlauf. Wird die Wunde kleiner, heilt sie. Wird sie größer, muss die Therapie überprüft werden.
Methode 1: Lineal-Messung (empfohlen)
- Legen Sie ein sauberes Lineal (oder Maßband) an den Wundrand
- Messen Sie die längste Stelle der Wunde (Länge) — das ist die Strecke von „Kopf“ bis „Fuß“ der Wunde
- Messen Sie senkrecht dazu die breiteste Stelle (Breite)
- Notieren Sie: z.B. „3,5 x 2,0 cm“
Methode 2: Münz-Vergleich (als Schätzung)
Wenn kein Lineal zur Hand ist: Vergleichen Sie die Wundfläche mit einer Münze.
- 1-Cent-Münze: ca. 1,6 cm Durchmesser
- 1-Euro-Münze: ca. 2,3 cm Durchmesser
- 2-Euro-Münze: ca. 2,6 cm Durchmesser
Methode 3: Folie-Methode (am genauesten)
Legen Sie eine transparente Folie (z.B. Frischhaltefolie, besser: sterile Wundmessfolie) über die Wunde und zeichnen Sie den Wundrand mit einem wasserfesten Stift nach. Beschriften Sie die Folie mit Datum. So haben Sie ein exaktes Abbild der Wundfläche.
Wundgrund beurteilen: Die Farben der Wunde
Sie müssen kein Experte sein, um den Wundgrund grob einzuschätzen. Die Farben geben wichtige Hinweise:
| Farbe | Was sie bedeutet | Bewertung |
|---|---|---|
| Rot (kräftig, feucht glänzend) | Granulationsgewebe — die Wunde baut neues Gewebe auf | Gut — Heilung schreitet voran |
| Rosa / Hellrot (am Wundrand) | Epithelisierung — neue Haut bildet sich | Sehr gut — Wunde schließt sich |
| Gelb / Gelblich | Fibrinbelag — Eiweißablagerung auf der Wunde | Muss beobachtet werden — kann Heilung verzögern |
| Grün / Gelb-grün | Infektion — bakterieller Belag, Eiter | Arzt informieren! |
| Schwarz / Braun-schwarz | Nekrose — abgestorbenes Gewebe | Arzt informieren — muss entfernt werden |
Dokumentation für den Arztbesuch nutzen
Ihre Dokumentation wird dann besonders wertvoll, wenn Sie sie zum Arzttermin mitnehmen. So machen Sie es richtig:
- Fotos vorbereiten: Zeigen Sie dem Arzt die letzten 3–4 Fotos im Vergleich
- Zusammenfassung: Fassen Sie die wichtigsten Entwicklungen kurz zusammen („Die Wunde ist in den letzten 3 Wochen von 4x3 cm auf 3x2 cm geschrumpft“ oder „Seit Montag hat der Geruch zugenommen“)
- Fragen vorbereiten: Notieren Sie sich vorher, was Sie den Arzt fragen möchten
- Ergebnisse festhalten: Schreiben Sie auf, was der Arzt empfiehlt, ändert oder verordnet
Digitale Hilfsmittel
Wenn Sie es lieber digital mögen, gibt es einige hilfreiche Tools:
- Smartphone-Notiz-App: Erstellen Sie eine Notiz pro Verbandwechsel mit Text und Foto (z.B. Apple Notizen, Google Notizen)
- Tabellen-App: Google Sheets oder Excel — eine Zeile pro Wechsel, Spalten für alle Dokumentationspunkte
- Spezielle Wund-Apps: Es gibt Apps wie „WundDesk“ oder „medi Companion“, die auf Wunddokumentation spezialisiert sind. Prüfen Sie, ob sie für Laien geeignet und datenschutzkonform sind.
- Messenger: Manche Wundmanager bieten einen sicheren Messenger-Kanal an, über den Sie Fotos und Notizen direkt übermitteln können
Häufige Fragen
Bin ich als Angehöriger verpflichtet, die Wunde zu dokumentieren?
Nein, eine gesetzliche Pflicht gibt es für Angehörige nicht. Die Dokumentationspflicht liegt beim professionellen Pflegedienst und beim Arzt. Dennoch ist eine eigene Dokumentation äußerst hilfreich — für Sie selbst, für die Kommunikation mit dem Arzt und für die Sicherheit Ihres Angehörigen.
Wie oft sollte ich die Wunde dokumentieren?
Idealerweise bei jedem Verbandwechsel. Wenn der Pflegedienst täglich wechselt und Sie nur gelegentlich, reichen auch 2–3 Mal pro Woche. Wichtig: Immer dokumentieren, wenn Ihnen etwas Auffälliges auffällt (veränderter Geruch, Vergrößerung, Rötung).
Reicht ein Foto ohne schriftliche Dokumentation?
Ein Foto ist schon sehr viel wert — besser als gar keine Dokumentation. Ideal ist aber die Kombination aus Foto und kurzer Notiz. Dinge wie Geruch, Schmerzen, Exsudatmenge oder die verwendeten Materialien sind auf einem Foto nicht zu erkennen. Schon 2–3 Stichworte zum Foto machen die Dokumentation deutlich aussagekräftiger.
Kann ich die Dokumentation mit dem Pflegedienst teilen?
Auf jeden Fall! Die meisten Pflegekräfte und Wundmanager freuen sich über zusätzliche Informationen von Angehörigen. Besonders Fotos zwischen den Pflegeeinsätzen sind wertvoll, weil der Pflegedienst die Wunde nur in Momentaufnahmen sieht. Besprechen Sie mit dem Pflegedienst, wie Sie Ihre Beobachtungen am besten übermitteln.
Woran erkenne ich auf dem Foto, ob die Wunde heilt?
Positive Zeichen auf Fotos: Die Wundfläche wird kleiner, der Wundgrund wird röter (Granulationsgewebe), am Rand wächst neue Haut (rosa Saum). Negative Zeichen: Wunde wird größer, mehr gelbe oder schwarze Anteile, sichtbarer Eiter, gerötete/geschwollene Wundumgebung.
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