Rund 4,2 Millionen Menschen in Deutschland werden zu Hause gepflegt — die große Mehrheit von Angehörigen. Wenn ein Familienmitglied plötzlich pflegebedürftig wird, stehen viele vor einer Situation, auf die sie nicht vorbereitet sind: Welche Leistungen stehen mir zu? Wie versorge ich Wunden? Wie schütze ich mich selbst vor Überlastung?

Diese Seite ist Ihr zentraler Einstiegspunkt in alle wichtigen Pflege-Themen. Hier finden Sie einen kompakten Überblick — mit konkreten Tipps und Links zu unseren ausführlichen Ratgebern. Nutzen Sie sie als Startpunkt und Nachschlagewerk.

Sie sind nicht allein: Es gibt zahlreiche Unterstützungsangebote — von Pflegestützpunkten über Kurzzeitpflege bis hin zu Selbsthilfegruppen. Der Pflegestützpunkt in Ihrer Gemeinde berät Sie kostenlos und unverbindlich zu allen Fragen rund um die Pflege.

Häusliche Pflege — Der umfassende Ratgeber für Angehörige

Wenn die Pflege zu Hause beginnt, gibt es viel zu organisieren. Diese Checkliste hilft Ihnen, die wichtigsten Dinge in den ersten Wochen zu klären:

  1. Pflegegrad beantragen — damit stehen Ihnen finanzielle Leistungen und Hilfsmittel zu
  2. Pflegestützpunkt kontaktieren — kostenlose Beratung zu allen Pflegefragen
  3. Hausarzt einbeziehen — er koordiniert die medizinische Versorgung und verordnet Hilfsmittel
  4. Pflegehilfsmittel beantragen — 42 € monatlich für Verbrauchsmaterial
  5. Wohnung anpassen — Haltegriffe, Badumbau, Pflegebett (bis 4.000 € Zuschuss möglich)
  6. Entlastungsangebote kennen — Verhinderungspflege, Kurzzeitpflege, Tagespflege
  7. Eigene Sozialversicherung prüfen — pflegende Angehörige sind oft rentenversichert

Pflegegrad: Ihr Schlüssel zu Leistungen

Der Pflegegrad ist die Grundlage für alle Leistungen der Pflegeversicherung. Ohne Pflegegrad gibt es kein Pflegegeld, keine Pflegehilfsmittel, keine Verhinderungspflege. Den Antrag stellen Sie formlos bei Ihrer Pflegekasse (ein Anruf bei der Krankenkasse genügt).

Die 5 Pflegegrade im Überblick

Pflegegrad Beeinträchtigung Pflegegeld/Monat
1 Geringe Beeinträchtigung — (nur Entlastungsbetrag 125 €)
2 Erhebliche Beeinträchtigung 332 €
3 Schwere Beeinträchtigung 573 €
4 Schwerste Beeinträchtigung 765 €
5 Schwerste Beeinträchtigung + besondere Anforderungen 947 €
Tipp: Führen Sie ein Pflegetagebuch — mindestens 2 Wochen vor dem Begutachtungstermin. Dokumentieren Sie jeden Handgriff: Aufstehen, Waschen, Anziehen, Essen, Toilettengang, Medikamente, nächtliche Hilfe. Das hilft dem Gutachter, den tatsächlichen Pflegebedarf einzuschätzen.

Pflegegrad beantragen — Schritt-für-Schritt-Anleitung

Pflegegrad 2: Alle Leistungen im Überblick

Pflegegrad 3: Alle Leistungen im Überblick

Pflegehilfsmittel: Was Ihnen zusteht

Ab Pflegegrad 1 haben Sie Anspruch auf monatliche Pflegehilfsmittel zum Verbrauch im Wert von 42 €. Diese werden kostenlos nach Hause geliefert — als sogenannte Pflegebox.

Was ist in der monatlichen Pflegebox?

  • Einmalhandschuhe — für die tägliche Pflege
  • Händedesinfektionsmittel
  • Flächendesinfektionsmittel
  • Bettschutzeinlagen — saugende Unterlagen
  • Schutzschürzen
  • Mundschutz

Haben Sie Anspruch auf eine kostenlose Pflegebox?

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Pflegehilfsmittel — Überblick und Anspruch

Pflegebox-Anbieter im Vergleich 2026

Pflegebox beantragen — so geht's

Wundversorgung in der häuslichen Pflege

In der häuslichen Pflege kommen Wunden häufig vor — ob durch Stürze, Hautrisse oder Druckstellen. Grundlegende Wundversorgungs-Kenntnisse sind für pflegende Angehörige unverzichtbar.

Die wichtigsten Grundregeln

  • Hygiene zuerst: Hände desinfizieren, Einmalhandschuhe tragen
  • Wunde reinigen: Mit Kochsalzlösung (0,9 %) oder sauberem Wasser spülen
  • Wunde desinfizieren: Antiseptikum (z. B. Octenisept) auftragen
  • Feucht halten: Moderne Wundversorgung ist feuchte Wundversorgung
  • Beobachten: Veränderungen dokumentieren, bei Warnsignalen zum Arzt

Wundversorgung zu Hause — kompletter Ratgeber

Verbandwechsel — Schritt-für-Schritt-Anleitung

Wunde richtig desinfizieren — Anleitung

Wunddokumentation für Angehörige

Hausmittel zur Unterstützung der Wundheilung: Neben der medizinischen Versorgung können bestimmte Hausmittel die Wundheilung unterstützen — etwa Honig, Aloe vera oder Zink. → Wundheilung beschleunigen: Hausmittel im Überblick

Dekubitus-Prophylaxe

Dekubitus (Druckgeschwür/Wundliegen) gehört zu den häufigsten und vermeidbarsten Komplikationen in der häuslichen Pflege. Besonders bettlägerige oder im Rollstuhl sitzende Menschen sind gefährdet. Als pflegender Angehöriger können Sie sehr viel zur Vorbeugung beitragen.

Die 5 wichtigsten Maßnahmen

  1. Alle 2 Stunden umlagern — auch nachts
  2. Haut täglich kontrollieren — Fingertest an gefährdeten Stellen (Fersen, Steißbein, Hüfte)
  3. Haut trocken und sauber halten — besonders in Hautfalten
  4. Spezialmatratze verwenden — auf Rezept von der Krankenkasse
  5. Auf gute Ernährung achten — besonders Eiweiß und Vitamin C

Dekubitus erkennen, vorbeugen und behandeln — Ratgeber

Dekubitus vorbeugen — praktische Tipps

Dekubitus-Risiko-Check — Online-Tool

Inkontinenz-Versorgung

Inkontinenz ist eines der häufigsten Pflegeprobleme — und für Betroffene oft mit Scham verbunden. Eine gute Versorgung erhält die Würde und schützt die Haut vor Folgeschäden wie Mazeration oder Pilzinfektionen.

Worauf Sie achten sollten

  • Passende Produkte wählen: Vorlagen, Pants oder Windelhosen — je nach Mobilitätsgrad
  • Hautschutz: Zinkhaltige Cremes oder Barriere-Spray schützen die Haut vor Feuchtigkeit
  • Regelmäßig wechseln: Nasse Produkte sofort wechseln, Haut sanft reinigen
  • Bettschutzeinlagen nutzen: Über die Pflegebox kostenlos erhältlich
  • Arzt einbeziehen: Inkontinenz ist behandelbar — lassen Sie sich beraten

Inkontinenz-Versorgung zu Hause — ausführlicher Ratgeber

Ernährung und Flüssigkeit in der Pflege

Gute Ernährung ist ein wesentlicher Faktor für Wundheilung, Infektionsabwehr und allgemeines Wohlbefinden. Mangelernährung ist bei pflegebedürftigen Menschen leider häufig — und wird oft übersehen.

Worauf Sie achten sollten

  • Ausreichend Eiweiß: 1,2–1,5 g pro kg Körpergewicht — für Muskelerhalt und Wundheilung
  • Genug trinken: Mindestens 1,5 Liter pro Tag (Wasser, Tee, verdünnte Säfte)
  • Vitamine und Mineralstoffe: Besonders Vitamin C (Immunsystem), Zink (Wundheilung), Vitamin D
  • Kleine, häufige Mahlzeiten: Bei geringem Appetit lieber 5–6 kleine Mahlzeiten
  • Gewicht regelmäßig kontrollieren: Ungewollter Gewichtsverlust frühzeitig erkennen
Trinknahrung auf Rezept: Wenn die normale Ernährung nicht ausreicht, kann der Arzt hochkalorische Trinknahrung verordnen (z. B. Fresubin, Fortimel). Die Kosten übernimmt die Krankenkasse. Sprechen Sie den Hausarzt darauf an.

Selbstfürsorge: Auch an sich denken

Pflegende Angehörige kümmern sich oft so intensiv um andere, dass sie sich selbst vergessen. Das Risiko für Erschöpfung, Burnout und eigene Erkrankungen ist nachweislich erhöht. Studien zeigen: Rund ein Drittel der pflegenden Angehörigen leidet unter psychischen Belastungen.

Warnsignale für Überlastung

  • Ständige Müdigkeit und Erschöpfung
  • Schlafprobleme (auch wenn Sie Zeit zum Schlafen hätten)
  • Gereiztheit, Ungeduld mit der gepflegten Person
  • Rückzug von Freunden und Hobbys
  • Körperliche Beschwerden (Rückenschmerzen, Kopfschmerzen)
  • Gefühl, „nie abschalten zu können"

Entlastungsangebote nutzen

Angebot Was ist das? Voraussetzung
Verhinderungspflege 1.612 €/Jahr für Vertretung (Urlaub, Krankheit) Ab Pflegegrad 2, nach 6 Monaten Pflege
Kurzzeitpflege 1.774 €/Jahr für stationäre Pflege Ab Pflegegrad 2
Entlastungsbetrag 125 €/Monat für Haushaltshilfe, Betreuung Ab Pflegegrad 1
Tagespflege Tagesbetreuung in einer Einrichtung Ab Pflegegrad 2 (zusätzlich zum Pflegegeld)
Pflegekurse Kostenlose Schulungen (auch zu Hause) Jeder pflegende Angehörige
Wichtig: Wenn Sie sich dauerhaft überfordert oder hoffnungslos fühlen, suchen Sie professionelle Hilfe. Das Pflegetelefon des BMFSFJ berät kostenlos und anonym: 030 / 20 17 91 31 (Mo–Do 9–18 Uhr). Pflegestützpunkte helfen ebenfalls kostenlos bei der Organisation von Entlastung.

Nützliche Tools und Checks

Unsere kostenlosen Online-Tools helfen Ihnen, schnell die richtigen Informationen und Produkte zu finden:

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Häufige Fragen zur häuslichen Pflege

Was brauche ich als erstes, wenn ein Angehöriger pflegebedürftig wird?

Der wichtigste erste Schritt ist die Beantragung eines Pflegegrades bei der Pflegekasse (Anruf bei der Krankenkasse genügt). Parallel dazu: Pflegestützpunkt in Ihrer Gemeinde kontaktieren für eine kostenlose Beratung und den Hausarzt einbeziehen für Verordnungen (Hilfsmittel, Pflegedienst).

Kann ich während der Pflege weiter arbeiten?

Ja. Es gibt mehrere Möglichkeiten: Pflegezeit (bis 6 Monate vollständige oder teilweise Freistellung, unbezahlt, ab 15 Mitarbeiter). Familienpflegezeit (bis 24 Monate Teilzeit, mind. 15 Std./Woche, ab 25 Mitarbeiter). Kurzzeitige Arbeitsverhinderung (10 Tage bezahlt bei akutem Pflegefall). Informieren Sie sich bei Ihrem Arbeitgeber und der Pflegekasse.

Was kostet häusliche Pflege?

Die Kosten variieren stark. Das Pflegegeld (332–947 €/Monat je nach Pflegegrad) deckt einen Teil ab. Zusätzlich übernimmt die Pflegekasse: Pflegehilfsmittel (42 €/Monat), Zuschuss für Wohnungsanpassung (bis 4.000 €), Verhinderungspflege (1.612 €/Jahr) und den Entlastungsbetrag (125 €/Monat). Viele Hilfsmittel (Pflegebett, Rollstuhl, Matratze) werden auf Rezept von der Krankenkasse bezahlt.

Bin ich als pflegender Angehöriger rentenversichert?

Ja, unter bestimmten Voraussetzungen. Wenn Sie mindestens 10 Stunden pro Woche an mindestens 2 Tagen pflegen und die gepflegte Person mindestens Pflegegrad 2 hat, zahlt die Pflegekasse Rentenbeiträge für Sie. Sie dürfen dabei nicht mehr als 30 Stunden pro Woche erwerbstätig sein. Den Antrag stellt die Pflegekasse.

Wo finde ich Hilfe und Beratung zur häuslichen Pflege?

Die wichtigste Anlaufstelle ist der Pflegestützpunkt in Ihrer Gemeinde — dort erhalten Sie kostenlose und unabhängige Beratung zu allen Pflegefragen. Weitere Anlaufstellen: Pflegetelefon des BMFSFJ (030 / 20 17 91 31), Ihre Pflegekasse, der Hausarzt und Sozialverbände wie VdK oder SoVD. Auch online finden Sie viele Informationen, etwa im BMG-Ratgeber Pflege.