Zugsalbe: Wirkung, Anwendung und die besten Produkte im Vergleich

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Was ist Zugsalbe?

Zugsalbe ist ein rezeptfrei erhältliches Arzneimittel, das bei Entzündungen unter der Haut eingesetzt wird. Ihr Name beschreibt das Wirkprinzip: Die Salbe „zieht" Entzündungsherde aus tieferen Gewebeschichten an die Hautoberfläche. Dabei beschleunigt sie die Reifung von Abszessen, Furunkeln und anderen eitrigen Entzündungen, sodass sich diese schneller entleeren können.

In deutschen Apotheken gehört Zugsalbe zu den meistverkauften rezeptfreien Produkten bei Hautproblemen. Es gibt zwei grundlegend verschiedene Typen: die klassische schwarze Zugsalbe mit dem Wirkstoff Ichthammol und die grüne pflanzliche Zugsalbe auf Basis von Lärchenterpentin und ätherischen Ölen. Beide haben ihre Berechtigung — für unterschiedliche Anwendungsbereiche.

Kurz erklärt: Zugsalbe ist kein Markenname, sondern eine Wirkstoffkategorie. Verschiedene Hersteller bieten Zugsalben mit unterschiedlichen Wirkstoffen und Konzentrationen an. Die bekanntesten Produkte sind Ichtholan (schwarz) und ilon Salbe classic (grün).

Der Wirkstoff: Ichthammol (Ammoniumbituminosulfonat)

Der wichtigste Wirkstoff in klassischen Zugsalben heißt Ichthammol, chemisch korrekt als Ammoniumbituminosulfonat bezeichnet. Dieser Wirkstoff wird seit über 100 Jahren in der Medizin eingesetzt und hat eine faszinierende Herkunft: Er wird aus Ölschiefer gewonnen, einem Sedimentgestein, das organische Verbindungen aus fossilen Meeresorganismen enthält.

Der Herstellungsprozess ist aufwendig: Der Ölschiefer wird zunächst trocken destilliert. Das dabei gewonnene Schieferöl wird anschließend mit Schwefelsäure sulfoniert und mit Ammoniak neutralisiert. Das Ergebnis ist eine dunkelbraune bis schwarze, zähflüssige Substanz mit einem charakteristischen, schwefelhaltigen Geruch.

Die chemische Zusammensetzung

Ichthammol ist kein einzelner Wirkstoff, sondern ein komplexes Gemisch aus über 120 verschiedenen Verbindungen. Die wichtigsten Bestandteile sind:

  • Thiophenverbindungen: Verantwortlich für die entzündungshemmende und antibakterielle Wirkung
  • Sulfonatgruppen: Verbessern die Wasserlöslichkeit und damit die Aufnahme in die Haut
  • Polyaromatische Verbindungen: Tragen zur durchblutungsfördernden Wirkung bei

Diese Vielfalt an Wirkstoffen erklärt, warum Ichthammol gleichzeitig entzündungshemmend, antibakteriell, durchblutungsfördernd und schmerzlindernd wirkt — ein Profil, das einzelne synthetische Wirkstoffe so nicht bieten.

Wie wirkt Zugsalbe genau?

Die Wirkung von Zugsalbe beruht auf einem Zusammenspiel mehrerer Mechanismen, die zusammen den charakteristischen „Zugeffekt" erzeugen:

1. Förderung der lokalen Durchblutung

Ichthammol reizt die Haut auf milde Weise und führt zu einer verstärkten Durchblutung im behandelten Bereich. Die erhöhte Durchblutung hat mehrere positive Effekte: Mehr Immunzellen erreichen den Entzündungsherd, Abfallstoffe werden schneller abtransportiert, und die Versorgung des Gewebes mit Sauerstoff und Nährstoffen verbessert sich. Diese verstärkte Durchblutung ist es, die die Entzündung an die Hautoberfläche „zieht".

2. Hemmung von Entzündungsmediatoren

Studien zeigen, dass Ichthammol die Freisetzung von Entzündungsbotenstoffen wie Leukotrienen und Prostaglandinen hemmt. Dadurch gehen Schwellung, Rötung und Schmerz im betroffenen Bereich zurück. Gleichzeitig wird die Entzündungsreaktion nicht vollständig unterdrückt — das Immunsystem kann weiterhin gegen die Ursache der Entzündung arbeiten.

3. Antibakterielle Wirkung

Ichthammol hemmt das Wachstum zahlreicher Bakterienarten, die häufig Hautentzündungen verursachen. Dazu gehören insbesondere Staphylococcus aureus und Streptokokken — die häufigsten Erreger von Furunkeln, Abszessen und entzündeten Pickeln. Die antibakterielle Wirkung unterstützt das Immunsystem bei der Bekämpfung der Infektion.

4. Erweichung des Gewebes

Die fetthaltige Salbenbasis erweicht die Haut über dem Entzündungsherd. Dadurch kann ein reifer Abszess leichter durchbrechen und sich nach außen entleeren. Dieser Effekt wird durch die verstärkte Durchblutung und den erhöhten Gewebedruck im Entzündungsbereich unterstützt.

Schwarze vs. grüne Zugsalbe: Ein Vergleich

Die Begriffe „schwarze Zugsalbe" und „grüne Zugsalbe" werden im Alltag häufig verwendet. Sie beziehen sich auf zwei grundlegend verschiedene Produkte mit unterschiedlichen Wirkstoffen und Einsatzgebieten.

Eigenschaft Schwarze Zugsalbe (Ichtholan) Grüne Zugsalbe (ilon Salbe classic)
Wirkstoff Ichthammol (Ammoniumbituminosulfonat) Lärchenterpentin, Terpentinöl, ätherische Öle
Herkunft Mineralisch (Ölschiefer) Pflanzlich
Farbe Dunkelbraun bis schwarz Grünlich
Geruch Stark, schwefelig Aromatisch, nach ätherischen Ölen
Verfärbung Stark (Haut, Kleidung, Bettwäsche) Gering
Zugwirkung Stark bis sehr stark Mild bis mittel
Ideal für Tiefe Entzündungen, Abszesse, Furunkel Leichte Entzündungen, Rasierpickel, empfindliche Stellen
Konzentrationen 10%, 20%, 50% Eine Stärke
Preis (ca.) 8-18 Euro (je nach Konzentration) ca. 12-15 Euro
Faustregel: Bei leichten, oberflächlichen Entzündungen und empfindlichen Hautstellen greifen Sie zur grünen Zugsalbe (ilon). Bei tiefen, hartnäckigen Entzündungen, die eine starke Zugwirkung benötigen, ist die schwarze Zugsalbe (Ichtholan) die bessere Wahl.

Anwendungsgebiete im Überblick

Zugsalbe kommt bei einer Vielzahl von Hautproblemen zum Einsatz. Hier die wichtigsten Anwendungsgebiete im Detail:

Abszesse und Furunkel

Das Haupteinsatzgebiet von Zugsalbe. Bei geschlossenen Abszessen kann die Salbe den Reifungsprozess beschleunigen und dafür sorgen, dass sich der Eiter an die Oberfläche vorarbeitet. Wichtig: Große Abszesse (über 2 cm), Abszesse im Gesicht und bereits geöffnete Abszesse müssen ärztlich behandelt werden.

Ausführlicher Ratgeber: Zugsalbe bei Abszess

Pickel und unterirdische Entzündungen

Tiefsitzende, schmerzhafte Pickel, die unter der Haut sitzen und keinen sichtbaren Eiterkopf haben, sprechen oft gut auf Zugsalbe an. Besonders die grüne Zugsalbe ist hier beliebt, da sie weniger stark färbt.

Ausführlicher Ratgeber: Zugsalbe gegen Pickel

Eingewachsene Haare

Nach der Rasur können Haare unter der Haut einwachsen und sich entzünden. Zugsalbe kann helfen, die Entzündung zu lösen und das eingewachsene Haar an die Oberfläche zu bringen.

Nagelbettentzündung

Leichte Nagelbettentzündungen (Paronychie) lassen sich im Anfangsstadium mit Zugsalbe behandeln. Die Salbe wird auf den entzündeten Nagelwall aufgetragen und mit einem Pflaster fixiert.

Schweißdrüsenentzündung

Entzündete Schweißdrüsen, vor allem in den Achseln (Hidradenitis), können mit Zugsalbe behandelt werden. Bei wiederkehrenden Schweißdrüsenentzündungen sollte jedoch ein Dermatologe aufgesucht werden.

Intimbereich

Zugsalbe kann unter bestimmten Voraussetzungen auch im Intimbereich angewendet werden — etwa bei Haarbalgentzündungen oder kleinen Abszessen. Die Anwendung erfordert jedoch besondere Vorsicht.

Ausführlicher Ratgeber: Zugsalbe im Intimbereich

Produktvergleich: Die wichtigsten Zugsalben

Der Markt für Zugsalben ist übersichtlich. Hier die wichtigsten Produkte im direkten Vergleich:

Produkt Wirkstoff Stärke Ideal für Preis (ca.)
ilon Salbe classic Lärchenterpentin, ätherische Öle Mild Leichte Entzündungen, Rasierpickel 12-15 Euro (25g)
Ichtholan 20% Ichthammol 20% Mittel Standard bei Furunkeln, mittlere Entzündungen 10-14 Euro (15g)
Ichtholan 50% Ichthammol 50% Stark Tiefe Abszesse, hartnäckige Furunkel 14-18 Euro (25g)
Thymian-Zugsalbe Thymianöl, pflanzliche Basis Mild Leichte Hautentzündungen 8-12 Euro

Einen noch detaillierteren Vergleich mit Bewertung und Empfehlungen finden Sie in unserem Artikel Zugsalbe im Vergleich: Welche ist die beste?

So wenden Sie Zugsalbe richtig an

Damit Zugsalbe optimal wirkt, ist die richtige Anwendung entscheidend. Hier die wichtigsten Schritte:

  1. Hände waschen: Gründlich mit Seife waschen, um keine zusätzlichen Keime einzubringen.
  2. Hautstelle reinigen: Die betroffene Stelle mit lauwarmem Wasser reinigen und vorsichtig abtrocknen. Keine Seife oder Desinfektionsmittel direkt auf die entzündete Stelle geben.
  3. Salbe auftragen: Einen kleinen Strang Zugsalbe (erbsengroß bis haselnussgroß, je nach Fläche) auf die entzündete Stelle auftragen. Die Salbe sollte die Entzündung und einen kleinen Rand drumherum bedecken.
  4. Abdecken: Die behandelte Stelle mit einem Pflaster, einer sterilen Kompresse oder einem Verband abdecken. Dies verhindert Verfärbungen und hält die Salbe an Ort und Stelle.
  5. Einwirken lassen: Die Salbe mehrere Stunden einwirken lassen. Ideal: Abends auftragen und über Nacht wirken lassen.
  6. Wechseln: Verband und Salbe 1-2 Mal täglich wechseln. Alte Salbenreste vorsichtig mit lauwarmem Wasser entfernen.
Detaillierte Schritt-für-Schritt-Anleitung: In unserem spezialisierten Artikel Zugsalbe richtig anwenden finden Sie eine ausführliche Anleitung mit Tipps für verschiedene Körperstellen und typische Fehler, die Sie vermeiden sollten.

Nebenwirkungen und Kontraindikationen

Zugsalbe gilt als gut verträgliches Arzneimittel, kann aber in Einzelfällen Nebenwirkungen verursachen:

Mögliche Nebenwirkungen

  • Hautreizungen: Rötung, Brennen oder Juckreiz an der Auftragsstelle (gelegentlich)
  • Allergische Reaktionen: Kontaktallergien gegen Ichthammol oder Hilfsstoffe (selten)
  • Hautverfärbungen: Schwarze Zugsalbe kann die Haut vorübergehend bräunlich verfärben

Kontraindikationen — Wann Sie Zugsalbe NICHT verwenden sollten

  • Auf offenen Wunden oder aufgebrochenen Abszessen
  • Auf Schleimhäuten (Mund, Nase, Augen, innerer Genitalbereich)
  • Bei bekannter Überempfindlichkeit gegen Ichthammol oder Inhaltsstoffe der Salbe
  • Bei Säuglingen und Kleinkindern unter 6 Jahren (nur nach ärztlicher Rücksprache)
  • Bei großflächigen Entzündungen — Zugsalbe ist für lokale, begrenzte Anwendungen gedacht
Schwangerschaft und Stillzeit: In der Schwangerschaft und Stillzeit sollte Zugsalbe nur nach Rücksprache mit dem Arzt angewendet werden. Es liegen keine ausreichenden Studien zur Sicherheit vor. Unser Artikel Zugsalbe in der Schwangerschaft informiert ausführlich über Risiken und Alternativen.

Grenzen der Zugsalbe: Wann zum Arzt?

Zugsalbe ist ein hilfreiches Hausmittel bei leichten bis mittelschweren Hautentzündungen. Doch sie hat klare Grenzen. Suchen Sie einen Arzt auf, wenn:

Sofort zum Arzt bei:
  • Die Entzündung sich trotz Zugsalbe nach 5-7 Tagen nicht bessert oder verschlimmert
  • Fieber, Schüttelfrost oder allgemeines Krankheitsgefühl auftreten
  • Ein roter Strich von der Entzündung ausgeht (Warnsignal für Lymphangitis!)
  • Der Abszess größer als 2 cm ist
  • Die Entzündung im Gesichtsbereich (besonders oberhalb der Oberlippe), am Hals oder im Genitalbereich liegt
  • Sie Diabetiker sind oder ein geschwächtes Immunsystem haben
  • Es sich um eine wiederkehrende Entzündung an derselben Stelle handelt

Zugsalbe kann die ärztliche Behandlung unterstützen, aber nie ersetzen. Im Zweifelsfall gilt: Lieber einmal zu viel zum Arzt als zu lange selbst behandeln.

Häufig gestellte Fragen

Was genau ist Zugsalbe und wie wirkt sie?

Zugsalbe ist eine äußerlich anzuwendende Salbe, die Entzündungen aus tiefen Gewebeschichten an die Hautoberfläche zieht. Der klassische Wirkstoff Ichthammol fördert die Durchblutung, wirkt entzündungshemmend und antibakteriell. Dadurch reifen Abszesse und Furunkel schneller und können sich entleeren.

Was ist besser: schwarze oder grüne Zugsalbe?

Schwarze Zugsalbe (Ichtholan) mit Ichthammol ist stärker und eignet sich für tiefe Entzündungen und Abszesse. Grüne Zugsalbe (ilon Salbe classic) ist pflanzlich, milder und eignet sich für leichtere Entzündungen, Rasierpickel und empfindliche Hautstellen. Beide wirken entzündungshemmend, aber über unterschiedliche Mechanismen.

Wie oft soll man Zugsalbe auftragen?

Zugsalbe wird in der Regel 1-2 Mal täglich aufgetragen. Tragen Sie die Salbe dünn auf die betroffene Stelle auf und decken Sie sie mit einem Pflaster oder Verband ab. Am besten abends auftragen und über Nacht einwirken lassen. Bei Ichtholan 50% genügt einmal täglich.

Kann Zugsalbe Nebenwirkungen haben?

Zugsalbe ist in der Regel gut verträglich. Mögliche Nebenwirkungen sind lokale Hautreizungen, Rötungen oder allergische Reaktionen. Schwarze Zugsalbe färbt Haut, Kleidung und Bettwäsche. Setzen Sie die Behandlung ab, wenn sich Symptome verschlimmern.

Wie lange dauert es bis Zugsalbe wirkt?

Die Wirkung setzt in der Regel innerhalb von 1 bis 3 Tagen ein. Oberflächliche Entzündungen reagieren schneller, tiefe Abszesse können 3 bis 5 Tage brauchen. Zeigt sich nach einer Woche keine Besserung, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

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Coryn Högberg, ICW-Wundexpertin
Medizinisch geprüfter Inhalt

Die Inhalte dieses Artikels wurden auf Grundlage aktueller pharmazeutischer Fachinformationen und der offiziellen Gebrauchsinformationen der genannten Arzneimittel erstellt. sign-med.de arbeitet mit medizinischen Fachkräften zusammen, um verlässliche und praxisnahe Gesundheitsinformationen bereitzustellen. Quellen: Fachinformationen Ichtholan, Fachinformation ilon Salbe classic, dermatologische Fachliteratur. Stand: März 2026. Mehr zur Autorin

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