Schaumverband: Anwendung bei nässenden Wunden

Wenn eine Wunde stark nässt, stoßen herkömmliche Pflaster schnell an ihre Grenzen. Die Mullkompresse wird durchnässt, der Klebstoff löst sich, und die Wunde liegt wieder offen. In solchen Fällen sind Schaumverbände die Lösung: Sie können ein Vielfaches ihres Eigengewichts an Wundflüssigkeit aufnehmen und halten die Wunde dabei in einem optimal feuchten Milieu.

Dieser Ratgeber erklärt Ihnen, wann Schaumverbände die richtige Wahl sind, welche Typen es gibt und wie Sie sie korrekt anwenden.

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Was ist ein Schaumverband?

Ein Schaumverband — auch Schaumstoffwundauflage oder PU-Schaum-Verband genannt — ist eine mehrschichtige Wundauflage aus Polyurethanschaum. Der Schaum hat eine offene Zellstruktur, die wie ein Schwamm Flüssigkeit aufnimmt und speichert.

Typischer Aufbau:

  • Wundkontaktschicht: Nicht haftende Schicht, die direkten Kontakt zur Wunde hat — oft aus Silikon für schmerzfreien Wechsel
  • Absorptionsschicht: Der eigentliche PU-Schaum, der Wundsekret aufsaugt und speichert
  • Äußere Schicht: Wasserdichte, dampfdurchlässige Folie — schützt vor Verschmutzung, lässt aber Wasserdampf durch
  • Kleberand (optional): Manche Schaumverbände haben einen selbstklebenden Rand zur Fixierung

Wie funktioniert er?

Der PU-Schaum wirkt wie ein Hochleistungsschwamm. Wenn Wundsekret aus der Wunde austritt, wird es von der offenzelligen Schaumstruktur aufgesaugt und gleichmäßig verteilt. Gleichzeitig gibt der Schaum überschüssige Feuchtigkeit als Wasserdampf über die äußere Membran ab. So entsteht ein ausgewogenes Feuchtigkeitsgleichgewicht:

  • Die Wunde wird nicht zu nass (keine Mazeration der umgebenden Haut)
  • Die Wunde wird nicht zu trocken (optimales feuchtes Wundmilieu bleibt erhalten)
  • Überschüssiges Sekret wird zuverlässig abgeleitet
Was ist Mazeration? Mazeration bedeutet, dass die gesunde Haut um die Wunde herum durch zu viel Feuchtigkeit aufweicht, weißlich wird und sich auflöst. Das ist ein häufiges Problem bei stark nässenden Wunden mit ungeeigneten Wundauflagen. Schaumverbände verhindern genau das.

Die verschiedenen Typen von Schaumverbänden

Typ Eigenschaft Einsatz
Mit Kleberand Selbsthaftend, einfache Anwendung Allgemeine Wundversorgung, flache Körperstellen
Ohne Kleberand Muss mit Folie/Binde fixiert werden Empfindliche Haut, häufiger Wechsel, größere Wunden
Mit Silikonbeschichtung Extrem sanfter Wechsel, nicht haftend Schmerzempfindliche Patienten, empfindliche Haut
Mit Silber Antimikrobiell, infektionshemmend Infizierte oder infektionsgefährdete Wunden
Sacral/Fersen-Form Anatomisch vorgeformt Dekubitus am Kreuzbein oder an der Ferse
Superabsorber Extrem hohe Saugkraft Sehr stark nässende Wunden

Wann ist ein Schaumverband geeignet?

  • Mäßig bis stark nässende Wunden: Wenn ein normales Pflaster oder Hydrokolloid-Pflaster die Feuchtigkeit nicht ausreichend aufnehmen kann
  • Chronische Wunden: Ulcus cruris (offenes Bein), Dekubitus (Druckgeschwür), diabetisches Fußsyndrom
  • Postoperative Wunden: Nach Operationen mit mäßiger Sekretion
  • Verbrennungen: Verbrennungswunden 2. Grades (nach ärztlicher Erstversorgung)
  • Hautentnahmestellen: Nach Hauttransplantationen
  • Wunden über Gelenken: Die flexible Struktur passt sich Bewegungen an

Wann ist ein Schaumverband nicht geeignet?

Nicht geeignet bei:
  • Trockene Wunden: Ohne ausreichend Feuchtigkeit kann der Schaum an der Wunde haften
  • Arterielle Wunden: Wunden durch Durchblutungsstörungen erfordern ärztliche Abklärung
  • Drittgradige Verbrennungen: Klinikbehandlung erforderlich
  • Wunden mit freiliegenden Knochen/Sehnen: Spezialversorgung nötig

Schaumverband richtig anlegen: Schritt für Schritt

  1. Hände waschen und desinfizieren
  2. Alten Verband entfernen: Vorsichtig, um die Wunde nicht zu verletzen
  3. Wunde reinigen: Mit Kochsalzlösung oder Wundspüllösung (z. B. Prontosan) spülen
  4. Wunde beurteilen: Größe, Sekretion, Infektionszeichen dokumentieren
  5. Passende Größe wählen: Der Schaumverband sollte die Wunde auf jeder Seite mindestens 2 cm überlappen
  6. Schaumverband auflegen: Die Wundkontaktseite (oft markiert) auf die Wunde legen
  7. Fixieren: Bei selbstklebenden Varianten die Kleberänder andrücken. Bei nicht klebenden Varianten mit Folie, elastischer Binde oder Netzverband fixieren
  8. Datum notieren: Schreiben Sie das Datum des Wechsels auf den Verband — so wissen Sie, wann der nächste Wechsel fällig ist
Praxis-Tipp: Schneiden Sie den Schaumverband nicht zu, wenn es sich vermeiden lässt — durchs Schneiden verlieren die Ränder ihre Versiegelung und der Schaum kann sich mit Sekret vollsaugen und auseinanderfallen. Verwenden Sie stattdessen die passende Größe.

Wie oft wechseln?

Sekretmenge Wechselintervall
Gering Alle 5 bis 7 Tage
Mäßig Alle 2 bis 4 Tage
Stark Täglich bis alle 2 Tage

Wechseln Sie sofort bei: Durchnässung des Verbands, sichtbarer Verschmutzung, starkem Geruch, Fieber oder Schmerzzunahme.

Schaumverband vs. Hydrokolloid: Der Vergleich

Eigenschaft Schaumverband Hydrokolloid
Saugkraft Hoch bis sehr hoch Mäßig
Geeignet für nässende Wunden Ja, ideal Nur bei leichter Sekretion
Tragedauer 2-7 Tage 3-7 Tage
Polsterung Gut Mäßig
Für chronische Wunden Sehr gut geeignet Bedingt geeignet
Preis Höher Niedriger

Produktübersicht

Produkt Besonderheit Bewertung
Mepilex Border (Mölnlycke) Silikonbeschichtung, schmerzfreier Wechsel, selbstklebend Sehr gut
Allevyn (Smith+Nephew) Hohe Saugkraft, gute Polsterung, verschiedene Formen Sehr gut
Biatain (Coloplast) 3D-Schaum, passt sich Wunde an, hohe Absorption Sehr gut
PermaFoam (Hartmann) Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, bewährt Gut
Suprasorb P (Lohmann & Rauscher) Auch mit Silber erhältlich, deutsche Qualität Gut

Häufige Fragen

Was ist ein Schaumverband?

Ein Schaumverband ist eine mehrschichtige Wundauflage aus Polyurethanschaum, die große Mengen Wundsekret aufnehmen kann. Er wird vor allem bei nässenden und chronischen Wunden eingesetzt und hält dabei ein optimales feuchtes Wundmilieu aufrecht.

Wie oft muss ein Schaumverband gewechselt werden?

In der Regel alle 2 bis 5 Tage, abhängig von der Sekretmenge. Bei stark nässenden Wunden kann ein täglicher Wechsel nötig sein. Wechseln Sie spätestens, wenn der Schaum gesättigt ist oder das Sekret durch den Verband dringt.

Was ist der Unterschied zwischen Schaumverband und Hydrokolloid-Pflaster?

Schaumverbände können deutlich mehr Flüssigkeit aufnehmen als Hydrokolloid-Pflaster und eignen sich daher für stärker nässende Wunden. Hydrokolloid-Pflaster sind besser für Wunden mit wenig bis mäßiger Sekretion geeignet.

Welche Wundauflage ist die richtige?

Unser Pflaster-Finder hilft Ihnen, die passende Wundauflage für Ihre Situation zu finden.

Zum Pflaster-Finder
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Coryn Högberg, ICW-Wundexpertin
Medizinisch geprüfter Inhalt

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