Ihre Wunde sondert Flüssigkeit ab und das Pflaster ist durchnässt? Das kann verunsichern — ist aber in vielen Fällen ein ganz normaler Teil des Heilungsprozesses. Wundflüssigkeit (Exsudat) enthält wichtige Immunzellen und Wachstumsfaktoren, die die Heilung vorantreiben.

Allerdings gibt es einen wichtigen Unterschied zwischen normalem und bedenklichem Wundexsudat. In diesem Ratgeber erfahren Sie, wann Nässen normal ist, welche Wundauflagen für nässende Wunden am besten geeignet sind und wann Sie mit einer nässenden Wunde zum Arzt gehen sollten.

Warum nässen Wunden?

Wundflüssigkeit (medizinisch: Exsudat) ist eine Reaktion des Körpers auf die Gewebeverletzung. In den ersten Tagen nach der Verletzung weiten sich die Blutgefäße um die Wunde herum, damit mehr Immunzellen und Nährstoffe in den verletzten Bereich gelangen können. Dabei tritt Flüssigkeit aus den Gefäßen ins Gewebe und von dort in die Wunde — das ist das Exsudat.

Was Wundexsudat enthält

  • Wasser und Elektrolyte: Basis der Flüssigkeit
  • Weiße Blutkörperchen (Leukozyten): Bekämpfen eingedrungene Keime
  • Wachstumsfaktoren: Stimulieren die Bildung neuen Gewebes
  • Proteasen: Enzyme, die abgestorbenes Gewebe abbauen
  • Nährstoffe: Glukose und Aminosäuren für die Zellneubildung
Gut zu wissen: Ein gewisses Maß an Wundflüssigkeit ist nicht nur normal, sondern förderlich für die Heilung. Wunden, die in einem feuchten Milieu heilen, bilden bis zu 50% schneller neues Gewebe und hinterlassen weniger Narben. Deshalb setzen moderne Wundauflagen auf die feuchte Wundbehandlung.

Welche Wunden nässen besonders?

  • Schürfwunden: Große Fläche, viel Exsudat in den ersten Tagen
  • Brandwunden: Besonders Grad 2 mit Blasenbildung
  • Chronische Wunden: Dekubitus, Ulcus cruris, diabetischer Fuß
  • Operationswunden: In den ersten 24-48 Stunden normal
  • Infizierte Wunden: Vermehrtes, oft verändertes Exsudat

Normal oder bedenklich? Exsudat richtig deuten

Die Farbe, Menge, Konsistenz und der Geruch des Wundexsudats verraten viel über den Zustand der Wunde:

Eigenschaft Normal (Heilung) Bedenklich (Infektion/Problem)
Farbe Klar bis leicht gelblich Trüb, grünlich, bräunlich, blutig
Konsistenz Dünnflüssig bis leicht zäh Dickflüssig, eitrig, rahmig
Geruch Geruchlos oder leicht süßlich Unangenehm, faulig, süßlich-faulig
Menge Nimmt im Verlauf ab Nimmt zu oder bleibt gleich hoch
Zeitverlauf Maximum Tag 2-4, dann abnehmend Erneut zunehmend nach Besserung
Alarmzeichen bei Wundflüssigkeit: Grünliches oder eitriges Exsudat, übler Geruch, plötzliche Zunahme der Flüssigkeitsmenge oder blutiges Exsudat nach den ersten Tagen sind Warnsignale für eine Wundinfektion. Suchen Sie dann zeitnah einen Arzt auf. Mehr dazu: Infizierte Wunde erkennen.

Nässende Wunde richtig versorgen

Die Versorgung einer nässenden Wunde zielt darauf ab, die richtige Balance zu finden: Die Wunde soll feucht genug bleiben für eine optimale Heilung, aber überschüssiges Exsudat soll aufgenommen werden, um Mazerationen (Aufweichen) der Wundumgebung zu verhindern.

Grundprinzipien

  1. Exsudat-Management: Wählen Sie eine Wundauflage, die zur Exsudatmenge passt — nicht zu viel aufnehmen (Wunde trocknet aus), nicht zu wenig (Sekret läuft über)
  2. Wundrandschutz: Schützen Sie die Haut um die Wunde mit Hautschutzprodukten (z.B. Cavilon Hautschutz, Zinksalbe) vor Aufweichung
  3. Regelmäßiger Verbandswechsel: Passen Sie die Wechselintervalle an die Exsudatmenge an
  4. Wunde nicht austrocknen lassen: Auch bei stark nässenden Wunden soll die Wundoberfläche feucht bleiben

Die richtige Wundauflage wählen

Die Wahl der richtigen Wundauflage ist bei nässenden Wunden entscheidend. Hier ein Überblick über die wichtigsten Typen:

Schaumverbände (Polyurethanschaum)

Schaumverbände sind der Allrounder für nässende Wunden. Sie bestehen aus einem weichen, saugfähigen Schaumstoff, der Exsudat aufnimmt und gleichzeitig ein feuchtes Wundmilieu erhält.

  • Geeignet für: Mäßig bis stark nässende Wunden
  • Vorteile: Hohe Saugkraft, polstern die Wunde, schmerz armer Verbandswechsel
  • Wechselintervall: Alle 2-4 Tage oder bei Durchnässung
  • Produkte: Mepilex, Allevyn, Biatain

Hydrokolloidverbände

Hydrokolloide nehmen Exsudat auf und verwandeln sich dabei in ein weiches Gel, das die Wunde feucht hält. Sie sind selbsthaftend und wasserdicht.

  • Geeignet für: Leicht bis mäßig nässende Wunden
  • Vorteile: Einfache Anwendung, wasserdicht (Duschen möglich), fördern Granulation
  • Wechselintervall: Alle 3-5 Tage
  • Produkte: Comfeel, Varihesive, Tegaderm Hydrocolloid
Nicht irritieren lassen: Wenn Sie ein Hydrokolloid-Pflaster entfernen, finden Sie darunter häufig ein gelblich-weißes Gel und einen leicht unangenehmen Geruch. Das ist kein Eiter, sondern das aufgequollene Hydrokolloid, das Exsudat aufgenommen hat. Spülen Sie die Wunde einfach vorsichtig ab und beurteilen Sie dann den Zustand.

Alginatverbände

Alginate werden aus Braunalgen gewonnen und haben eine extrem hohe Saugkraft. Bei Kontakt mit Wundexsudat verwandeln sie sich in ein weiches Gel.

  • Geeignet für: Stark nässende, tiefe Wunden
  • Vorteile: Sehr hohe Saugkraft, füllen tiefe Wunden aus, hämostatisch (blutstillend)
  • Wechselintervall: Täglich bis alle 2-3 Tage
  • Wichtig: Brauchen immer einen Sekundärverband (Schaumverband oder Folie) darüber
  • Produkte: Kaltostat, Sorbalgon, SeaSorb

Superabsorber

Für extrem stark nässende Wunden, wenn andere Auflagen nicht ausreichen.

  • Geeignet für: Sehr stark exsudierende Wunden
  • Vorteile: Höchste Saugkraft aller Wundauflagen
  • Produkte: Zetuvit Plus, Cutimed Sorbion, Vliwasorb
Exsudatmenge Empfohlene Wundauflage
Wenig (Wundgrund feucht glänzend) Hydrokolloid, Hydrogelauflage
Mäßig (Verband nach 2-3 Tagen feucht) Schaumverband, Hydrokolloid
Stark (Verband innerhalb 24h durchnässt) Schaumverband (dick), Alginat + Schaumverband
Sehr stark (Verband in Stunden durchnässt) Superabsorber, Alginat + Superabsorber

Verbandswechsel bei nässenden Wunden

Der Verbandswechsel bei nässenden Wunden erfordert besondere Sorgfalt:

  1. Hände waschen, Handschuhe anziehen
  2. Alten Verband vorsichtig entfernen: Wenn er klebt, mit steriler Kochsalzlösung anfeuchten. Niemals trocken abreißen.
  3. Exsudat beurteilen: Farbe, Geruch, Menge — hat sich etwas verändert?
  4. Wundumgebung reinigen: Aufgeweichte Haut um die Wunde sanft reinigen und trocknen
  5. Hautschutz auftragen: Zinksalbe oder Hautschutzfilm auf die Haut um die Wunde (nicht in die Wunde!)
  6. Neue Wundauflage anpassen: Brauchen Sie eine saugfähigere Auflage? Oder reicht eine kleinere?
  7. Neuen Verband anlegen: Wundauflage muss die Wunde vollständig bedecken und 1-2 cm über den Rand reichen
Mazeration vermeiden: Wenn die Haut um die Wunde herum weißlich-aufgequollen aussieht, ist sie mazeriert — das Exsudat hat sie aufgeweicht. Mazerierte Haut ist anfällig für Infektionen und die Wunde kann sich vergrößern. Verwenden Sie eine saugfähigere Wundauflage und schützen Sie die Wundumgebung mit Zinksalbe oder Hautschutzfilm.

Chronisch nässende Wunden

Während akute Wunden in der Regel innerhalb von 1-2 Wochen deutlich weniger nässen, gibt es Wunden, die über Wochen und Monate Exsudat produzieren. Typische chronisch nässende Wunden sind:

  • Ulcus cruris (offenes Bein): Durch Durchblutungsstörungen, oft stark nässend
  • Dekubitus (Druckgeschwür): Bei bettlägerigen Patienten
  • Diabetischer Fuß: Durch Nervenschäden und Durchblutungsstörungen

Chronisch nässende Wunden gehören in ärztliche Behandlung. Die Ursache muss erkannt und behandelt werden, sonst heilt die Wunde nicht. Mehr zur Pflege chronischer Wunden erfahren Sie in unserem Ratgeber Wundversorgung in der Pflege.

Wann zum Arzt?

Suchen Sie mit einer nässenden Wunde einen Arzt auf, wenn:

  • Das Exsudat trüb, grünlich oder eitrig ist
  • Die Wunde unangenehm riecht
  • Die Exsudatmenge zunimmt statt abzunehmen
  • Die Wunde nach 2 Wochen noch deutlich nässt
  • Die Wundumgebung zunehmend gerötet oder geschwollen ist
  • Sie Fieber entwickeln
  • Der Verband innerhalb weniger Stunden durchnässt ist trotz saugfähiger Auflage
  • Die Haut um die Wunde stark aufgeweicht (mazeriert) ist
  • Sie unter Diabetes, Durchblutungsstörungen oder Immunschwäche leiden

Nässende Wunde — ist das noch normal?

Unser kostenloser Wund-Check hilft Ihnen einzuschätzen, ob Ihre nässende Wunde normal heilt oder ärztliche Aufmerksamkeit braucht.

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Häufig gestellte Fragen zu nässenden Wunden

Ist es normal, dass eine Wunde nässt?

Ja, ein gewisses Maß an Wundflüssigkeit ist normal und sogar förderlich. Normales Exsudat ist klar bis leicht gelblich und geruchlos. Bedenklich wird es bei trüber, grünlicher oder blutiger Flüssigkeit, bei üblem Geruch oder wenn die Menge zunimmt statt abnimmt.

Welcher Verband ist der beste für nässende Wunden?

Das hängt von der Exsudatmenge ab: Schaumverbände für stark nässende Wunden, Hydrokolloide für mäßig nässende Wunden, Alginate für sehr stark exsudierende Wunden. Normale Pflaster und Mullkompressen sind für nässende Wunden weniger geeignet.

Wann muss ich mit einer nässenden Wunde zum Arzt?

Zum Arzt bei: trüber, grünlicher oder eitriger Flüssigkeit, unangenehmem Geruch, zunehmender Exsudatmenge, wenn die Wunde nach 2 Wochen noch stark nässt, zunehmender Rötung oder Schwellung, und bei Fieber.