Klammerpflaster richtig anbringen: Schritt-für-Schritt Anleitung

Das Anbringen von Klammerpflastern ist nicht schwer — aber die richtige Technik entscheidet darüber, ob die Wunde optimal heilt oder ob sich die Streifen vorzeitig lösen. Viele Menschen machen unbewusst Fehler, die das Ergebnis verschlechtern: Sie kleben auf feuchter Haut, setzen die Streifen zu weit auseinander oder ziehen die Wundränder unter zu viel Spannung zusammen.

In dieser ausführlichen Anleitung zeigen wir Ihnen Schritt für Schritt, wie Sie Klammerpflaster (Steri-Strips, Wundnahtstreifen) korrekt anbringen — mit Profi-Tipps für besondere Körperstellen und Kinderverletzungen.

Bevor Sie beginnen: Ist ein Klammerpflaster geeignet?

Bevor Sie ein Klammerpflaster anlegen, prüfen Sie bitte, ob die Wunde dafür geeignet ist. Klammerpflaster funktionieren am besten bei:

  • Kleinen Platz- oder Schnittwunden (bis ca. 2 cm)
  • Glatten Wundrändern, die sich leicht zusammenführen lassen
  • Oberflächlichen Wunden (kein Fettgewebe oder Muskel sichtbar)
  • Wunden, deren Blutung bereits gestillt ist oder nur leicht nachblutet
Sofort zum Arzt bei:
  • Starke, nicht stillbare Blutung
  • Tiefe Wunde (Fettgewebe, Sehnen oder Knochen sichtbar)
  • Klaffende Wundränder, die sich nicht zusammenführen lassen
  • Bisswunden oder stark verschmutzte Wunden
  • Wunden über Gelenken mit Bewegungseinschränkung
  • Gesichtswunden mit kosmetischer Bedeutung (Lippe, Augenlid)

Benötigtes Material

Legen Sie vor der Wundversorgung alles bereit, was Sie brauchen. So müssen Sie zwischendurch nicht suchen und können sauber arbeiten:

  • Klammerpflaster (Steri-Strips) in passender Breite — Standard: 6 mm
  • Sterile Kompressen (zum Blutstillen und Reinigen)
  • Wunddesinfektionsmittel (z. B. Octenisept, Betaisodona)
  • Händedesinfektionsmittel
  • Sauberes Wasser oder sterile Kochsalzlösung
  • Schere (optional, zum Zuschneiden)
  • Steriles Pflaster oder Kompresse zur Abdeckung
Profi-Tipp: Tinkturhaltige Desinfektionsmittel (z. B. Betaisodona) können die Klebefähigkeit des Klammerpflasters verringern. Verwenden Sie besser ein farbloses Desinfektionsmittel wie Octenisept und lassen Sie es vollständig trocknen, bevor Sie das Pflaster aufkleben.

Schritt-für-Schritt-Anleitung

Schritt 1: Hände waschen und desinfizieren

Waschen Sie Ihre Hände gründlich mit Seife — mindestens 20 Sekunden lang, auch zwischen den Fingern und an den Handgelenken. Desinfizieren Sie die Hände anschließend. Dieser Schritt ist der wichtigste, um eine Wundinfektion zu vermeiden.

Schritt 2: Blutung stillen

Drücken Sie eine sterile Kompresse oder ein sauberes Tuch fest und gleichmäßig auf die Wunde. Halten Sie den Druck mindestens 5 bis 10 Minuten aufrecht — ohne zwischendurch nachzusehen. Heben Sie den Druck dann vorsichtig an. Blutet die Wunde immer noch stark, drücken Sie weitere 10 Minuten. Lässt sich die Blutung nach insgesamt 20 Minuten nicht stillen, suchen Sie ärztliche Hilfe auf.

Warum nicht nachsehen? Jedes Mal, wenn Sie die Kompresse anheben, lösen Sie den frisch gebildeten Blutpfropf. Dadurch beginnt die Blutung erneut. Haben Sie Geduld und halten Sie den Druck konsequent aufrecht.

Schritt 3: Wunde reinigen und desinfizieren

Spülen Sie die Wunde vorsichtig mit sauberem, lauwarmem Leitungswasser oder steriler Kochsalzlösung. Ziel ist es, Schmutzpartikel, Blut und Keime auszuwaschen. Entfernen Sie sichtbare Verunreinigungen (Steinchen, Splitter) vorsichtig mit einer sterilen Pinzette.

Desinfizieren Sie anschließend die Wunde und die umgebende Haut mit einem geeigneten Wunddesinfektionsmittel. Lassen Sie das Mittel vollständig trocknen — erst dann haftet der Klebstoff optimal.

Schritt 4: Umgebende Haut trocknen

Tupfen Sie die Haut rund um die Wunde sorgfältig trocken. Verwenden Sie dafür eine saubere Kompresse oder ein fusselfreies Tuch. Achten Sie darauf, dass die Haut im Klebebereich trocken und fettfrei ist — das ist entscheidend für die Haftung der Streifen.

Häufiger Fehler: Viele Menschen vergessen, die Haut vor dem Kleben ausreichend zu trocknen. Auf feuchter oder fettiger Haut halten Klammerpflaster schlecht und lösen sich schnell wieder.

Schritt 5: Ersten Streifen in der Wundmitte setzen

Nehmen Sie den ersten Klammerpflaster-Streifen und setzen Sie ihn in der Mitte der Wunde an. Das Vorgehen:

  1. Kleben Sie eine Hälfte des Streifens auf einer Seite der Wunde fest (ca. 1-2 cm Abstand vom Wundrand)
  2. Schieben Sie mit Daumen und Zeigefinger der anderen Hand die Wundränder vorsichtig zusammen
  3. Kleben Sie den Streifen unter leichtem Zug auf der anderen Seite fest
  4. Drücken Sie den Streifen von der Mitte nach außen an

Wichtig: Die Wundränder sollen sich berühren, aber nicht überlappen. Üben Sie keinen übermäßigen Zug aus — die Haut darf sich nicht wellen oder falten.

Schritt 6: Weitere Streifen setzen

Setzen Sie nun weitere Streifen im Abstand von 2 bis 3 mm links und rechts vom ersten Streifen. Arbeiten Sie sich von der Mitte nach außen vor, bis die gesamte Wunde geschlossen ist. Je nach Wundlänge benötigen Sie in der Regel 3 bis 6 Streifen.

Achten Sie auf gleichmäßige Abstände zwischen den Streifen. Zu dicht aneinander gelegene Streifen verhindern, dass Wundsekret abfließen kann. Zu große Abstände bieten nicht genug Halt.

Schritt 7: Querstreifen zur Sicherung (optional, aber empfohlen)

Legen Sie einen zusätzlichen Streifen längs über die Enden der quer geklebten Streifen — jeweils auf beiden Seiten. Das verhindert, dass sich die Streifenenden aufrollen und vorzeitig lösen. Besonders bei beweglichen Körperstellen und bei Kindern ist dieser Schritt wichtig.

Schritt 8: Schutzverband anlegen

Decken Sie die gesamte Versorgung mit einer sterilen Kompresse und einem Fixierpflaster ab. Das schützt die Klammerpflaster vor Reibung, Schmutz und versehentlichem Abreißen. Wechseln Sie den Schutzverband bei Bedarf — die darunterliegenden Klammerpflaster bleiben jedoch auf der Wunde.

Die 5 häufigsten Fehler — und wie Sie sie vermeiden

Fehler Folge Richtig machen
Auf feuchter Haut kleben Streifen lösen sich nach Stunden Haut sorgfältig trocknen, Desinfektionsmittel trocknen lassen
Zu viel Spannung Hautblasen, Schmerzen, Wundränder überlappen Ränder nur sanft zusammenschieben, nie unter Zugspannung
Streifen längs statt quer Wunde bleibt offen, keine Zugwirkung Streifen immer quer über die Wunde kleben
Zu wenige Streifen Ungleichmäßiger Verschluss, Wunde klafft Gesamte Wundlänge mit Streifen im 2-3-mm-Abstand abdecken
Kein Schutzverband Streifen lösen sich durch Reibung an Kleidung Immer eine Kompresse oder Pflaster darüber kleben

Tipps für besondere Körperstellen

Stirn und Kopf

Die Stirn ist eine der häufigsten Stellen für Platzwunden, besonders bei Kindern. Die gute Nachricht: Die Haut ist hier straff und die Streifen halten in der Regel sehr gut. Achten Sie darauf, die Haare im Wundbereich ggf. zur Seite zu kämmen oder vorsichtig zu kürzen — Klammerpflaster halten auf Haaren nicht.

Kinn

Am Kinn ist die Haut beweglicher, und Speichel sowie Schweiß können die Haftung beeinträchtigen. Trocknen Sie die Haut besonders sorgfältig und verwenden Sie einen Sicherungs-Querstreifen. Bei Kindern kann ein zusätzlicher Schutzverband mit elastischer Fixierbinde sinnvoll sein.

Finger

Schnittwunden an Fingern sind häufig und die runde Form macht das Kleben schwieriger. Verwenden Sie schmale Streifen (3 mm) und fixieren Sie diese zusätzlich mit einem Fingerverband. Halten Sie den Finger möglichst ruhig.

Über Gelenken

An Gelenken (Ellenbogen, Knie, Fingergelenke) ist die mechanische Belastung besonders hoch. Verwenden Sie hier breitere Streifen und mehr Streifen als gewöhnlich. Ergänzen Sie mit einem festen Pflasterverband. Wenn möglich, ruhigstellen Sie das Gelenk in den ersten 48 Stunden.

Besondere Tipps für Kinder

Die Wundversorgung bei Kindern erfordert Ruhe und einen kindgerechten Umgang:

  • Beruhigen Sie das Kind zuerst — eine Wunde wirkt für Kinder oft dramatischer als sie ist
  • Erklären Sie alles, was Sie tun: "Ich klebe jetzt ein spezielles Pflaster auf die Wunde, das tut nicht weh"
  • Ablenkung hilft: Ein Bilderbuch, ein Video auf dem Handy oder ein Gespräch über das Lieblingsthema
  • Arbeiten Sie zügig aber nicht hektisch — das Aufmerksamkeitsfenster bei Kindern ist kurz
  • Loben Sie das Kind danach ausgiebig für seine Tapferkeit
  • Belohnung: Ein kleines Eis oder ein Aufkleber nach der Versorgung kann Wunder wirken
Eltern-Tipp: Wenn Sie unsicher sind, ob die Wunde Ihres Kindes mit Klammerpflastern ausreichend versorgt ist, fahren Sie lieber zum Kinderarzt oder in die Notaufnahme. Ärzte können im Zweifelsfall die Streifen entfernen und nähen — umgekehrt geht das nicht.

Nach dem Anbringen: Pflege und Beobachtung

Die Klammerpflaster sind angebracht — aber die Versorgung ist damit noch nicht abgeschlossen. In den nächsten Tagen sollten Sie Folgendes beachten:

Erste 24 Stunden

  • Die Wunde ruhig halten — keine unnötige Belastung
  • Kein Wasser: In den ersten 24 Stunden möglichst trocken halten
  • Bei Schmerzen: Paracetamol oder Ibuprofen sind in der Regel geeignet (kein Aspirin — blutverdünnend)

Tag 2 bis 10

  • Duschen: Ab Tag 2 ist kurzes Duschen in der Regel möglich — danach vorsichtig trockentupfen
  • Kontrolle: Täglich den Schutzverband wechseln und die Wunde auf Infektionszeichen prüfen
  • Nicht kratzen: Juckreiz während der Heilung ist normal — aber bitte nicht kratzen
  • Streifen nicht vorzeitig entfernen: Auch wenn es juckt, lassen Sie die Streifen 5-10 Tage dran
Sofort zum Arzt bei diesen Warnsignalen:
  • Zunehmende Rötung und Schwellung um die Wunde
  • Eitriges oder übel riechendes Wundsekret
  • Fieber (über 38,5 °C)
  • Roter Strich, der von der Wunde wegzieht (Lymphangitis)
  • Wundränder klaffen trotz Streifen auseinander

Wenn die Heilung normal verläuft, können Sie die Klammerpflaster nach 5 bis 10 Tagen entfernen. Wie das schonend geht, erfahren Sie in unserem Ratgeber: Klammerpflaster entfernen: Wann und wie — ohne Schmerzen.

Häufige Fragen

Was mache ich, wenn sich ein Streifen vorzeitig löst?

Wenn sich ein einzelner Streifen löst, die Wunde aber noch gut durch die anderen Streifen geschlossen bleibt, können Sie den gelösten Streifen vorsichtig durch einen neuen ersetzen. Reinigen und trocknen Sie die Haut vorher. Lösen sich mehrere Streifen und die Wunde klafft, suchen Sie ärztliche Hilfe.

Kann ich Klammerpflaster auf behaarter Haut anbringen?

Klammerpflaster halten auf behaarter Haut schlecht. Kürzen Sie die Haare im Wundbereich vorsichtig mit einer Schere — rasieren Sie nicht, da Mikroverletzungen das Infektionsrisiko erhöhen. Bei stark behaarter Haut kann eine Rasur im weiteren Umfeld sinnvoll sein, nicht jedoch direkt am Wundrand.

Wie viele Streifen brauche ich?

Das hängt von der Wundlänge ab. Als Faustregel: Bei 2-3 mm Abstand zwischen den Streifen brauchen Sie für eine 1 cm lange Wunde etwa 3-4 Streifen. Für eine 2 cm lange Wunde etwa 5-7 Streifen. Dazu kommen optional 2 Querstreifen zur Sicherung.

Kann ich Klammerpflaster auf dem Pflaster-Finder von sign-med.de empfohlen bekommen?

Ja, unser interaktiver Pflaster-Finder berücksichtigt auch Klammerpflaster und empfiehlt sie, wenn Ihre Antworten auf eine geeignete Wunde hindeuten.

Weiter zum Entfernen der Klammerpflaster

Die Wunde ist verheilt? So entfernen Sie die Streifen richtig, ohne die frische Narbe zu beschädigen.

Klammerpflaster entfernen: Anleitung
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Coryn Högberg, ICW-Wundexpertin
Medizinisch geprüfter Inhalt

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